Re: Eigenbau von Sandwichplatten für Absetzkabine

Hier geht es um den Eigenbau einer Kabine oder eines Koffers
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Gast

Re: Eigenbau von Sandwichplatten für Absetzkabine

#1 Beitrag von Gast » Mi 06 Feb 2002 22:16

> Ich habe jahrelange hauptberufliche Erfahrung im Segelflugzeugbau ( GFK, CFK usw. ). Dort verwenden wir nur Gewebe und keine Matten. Außerdem Epoxydharz und keinen Polyesterharz. Die Vorteile liegen auf der Hand. 4-5mal höhere Festigkeit.
Es gibt Polyesterharze, die liegen in Bezug auf Biegefestigkeit nur ca. 20% unter der von EP-Harz.
EP und Matte geht nicht, da der Binder der Matte nicht aufgelöst wird von Epoxid.

> Sehr geringer Harzanteil. Sauber zu verarbeiten. Stinkt nicht. Daraus folgt: Viel weniger Lagen bei gleicher Festigkeit mit viel weniger Harz/Härter Anteil. Daraus folgt minimales Gewicht.Für eine T4-Absetzkabine ( leer ohne Fensterauschnitte und Verstärkungen für die Kraftaufnahme ) habe ich ca. 190 kg berechnet.Wenn man jetzt noch Möbel aus dem gleichen Material baut bekommt man ein Traumgewicht.
Alles richtig,aber: EP-Harze sind physiologisch nicht so unkritisch wie UP-Harze; zumindest bei nichtgewerblicher Anwendung. Harzallergien sind weitverbreitet. UP-Harze werden dann gefährlich (zumindest bei gelegentlicher Anwendung), wenn man den Gestank nicht mehr aushält. Inzwischen gibt es UP-Harze mit Milieuausrüstung. Kommt diese Harz zur Ruhe, dampfen nur ca. 10% der Styrolmenge im Vergleich zu einem Standardharz ab.
Möbelbau in Gfk generell ist absolut das Beste, aber ne´ Menge Arbeit!

> Jetzt meine Frage: Warum baut jeder mit Matten und Polyesterharzen? Das Geld alleine kanns ja nicht sein, weil ich ja weniger Material benötige, so daß sich die Mehrkosten relativieren. Vieleicht habe ich ja irgendeinen technischen Aspekt nicht beachtet, der für Polyester und Matten spricht!

Doch, das Geld ist´s unter anderem! Einfache Rechnung (alles ca. Preise): beidseitig 2x92125 á DM 8.-/qm = 24 DM/qm.
Bei 50% Harzanteil wird exakt das Gewebegewicht an Harz benötigt (4x270 gr/qm) entspr. ungefähr 1 kg/qm á DM 24.- für Harz / Härter pro kg, also sind wir schon bei DM 48 /qm.
Fehlt noch Füller oder Gelcoat außen. Lagenbelegung ist abhängig vom Stützstoff, jedoch das absolute Minimum. Eine befriedigende Schlagfestigkeit ist bei Stützstoffen mit niedrigem Raumgewicht mit dieser Belegung nicht unbedingt erreicht. Interessant wird die Verwendung von hochwertigen Schäumen wie z.B. Divinycell H40 oder besser. Allerdings geht der Spass bei ca. DM 80.-/qm bei 40 mm los. Jetzt kann man weiter kalkulieren: entweder mehr Lagen und einen preisgünstigen Schaum mit niedriger Druckfestigkeit, oder den teuren Schaum verwenden. In jedem Fall fehlt noch die Klebemenge für dir Verbindung Decklage / Stützstoff sowie das Abreißgewebe.

Gutes UP-Harz liegt unter DM 5.-/kg; Matte kostet ca. 2 - 4 DM/kg, Flächengewichte 200-600 gr/qm.
Selbst bei einem UP-Harzanteil von 20% sieht man schon die Richtung. Alle Preise bei Fass- (200kg) und Rollenabnahme (ca.100qm).
Alles klar?

> Noch eine Frage:
> Man baut GFK-Sandwich eigentlich mit Unterdruck. Kunststoffbeschichtete Platte-Abreißgewebe-Glasfasergewebe-Hartschaum-Glasfasergewebe-Abreißgewebe-luftdurchlässige Schicht( Jute oder Flies ) - abgedichtete Folie- und dann Unterdruck. Dadurch erreicht man gute aufgerauhte Oberfläche und einen irren Anpressdruck.
> Wer hat es schon mal ohne Unterdruck versucht? Also durch normales auflaminieren und Aushärten. Eventuell mit Gegenplatte und Gewichten. Mich würde interessieren ob damit ebenfalls gute Ergebnisse erreicht worden sind?

Gegenplatte / Gewicht funktioniert absolut nicht bei großen Flächen!
Unterdruck ist die (!!!) Lösung, super Ergebnisse! Bei 90%igem Vakuum (durchaus hinzubekommen) sind das 9 Tonnen pro qm! Das Verfahren ist bei Verwendung von EP easy wegen der langen Topfzeit. Mit UP gehts auch, aber nur mit jede Menge Tricks. Egal welches Harz, Vakuumverfahren ist für den Heimanwender ohne Praxiserfahrung sehr kompliziert. Am Anfang gibts jede Menge Ausschuß. Außerdem macht Vakuum nur Sinn, wenn man sehr geringen Absolutdruck (80% min. entspr. 0.2 bar oder 200 hpas) erreicht, anderweitig kann man sich den Aufwand sparen. Dazu braucht man vor allem eine gute Pumpe ,Kühlschrankkompressoren und Modellbaupumpen haben viel zu geringe Fördermengen aufgrund der nicht zu vermeidenden Leckagen.
Gruß
Mike

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