Verschiedene Wandaufbauten bei Wohnmobilen und Leerkabinen

Hier solltest du als Erstes nachschauen, falls du eine Frage hast, denn Antworten auf die häufigsten Fragen sind hier ausführlich beantwortet.
Auch ist die Wissensbasis der perfekte Einstieg, um Grundlagen rund um den Wohnmobil-(Aus)Bau zu erfahren...
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Krabbe
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Verschiedene Wandaufbauten bei Wohnmobilen und Leerkabinen

#1 Beitrag von Krabbe » Mi 10 Jan 2007 12:05

(Wand)aufbau von Leerkabinen bzw. Wohnmobilen allgemein

Wer ein Wohnmobil bauen will bzw. eine Leerkabine ausbauen oder sogar selber bauen will, der wird sich auch damit auseinander setzen, wie eine solche Wohnkabine aufgebaut ist.
Die unterschiedlichen Arten, wie Wohnmobilkabinen aufgebaut sein können möchte ich hier kurz mit ein paar Vor- und Nachteilen darstellen.
Die nachfolgende Aufstellung hat nicht den Anspruch vollständig zu sein und es können hier nicht alle Sonderformen des Kabinenbaus dargestellt werden.


Kastenwagen

Der Kastenwagen ist zwar eigentlich keine Leerkabine im eigentlichen Sinne, aber der Vollständigkeit halber möchte ich ihn hier erwähnen, da sich auch Kastenwagenausbauer ein paar Gedanken über die Wände Ihres Gefährts machen müssen und einige Dinge beachten sollten.
Die meisten Kastenwagen haben eine selbsttragende Karosserie. D. h. sie haben keinen komplett tragenden Leiterrahmen, auf dem der weitere Aufbau sitz, den man ggf. auch wegschrauben könnte wie z. B. Pritschenfahrzeuge, sondern die gesamte Karosserie mit den Blechen, Holmen und Verstärkungen nimmt alle Kräfte auf und trägt auch Fahrwerk und Antriebstrang usw.
Beim Ausbau eines solchen Kastenwagens hat man auf die Form der Karosserie und somit auf das Platzangebot des Fahrzeugs kaum noch Einfluss. Es bleiben üblicherweise nur noch die Möglichkeit ein Hochdach oder ein Faltdach aufzubauen, um Stehhöhe zu erhalten. Schon bei der Planung von Fenstern und erst recht beim Aufbau eines Hochdaches müssen die Positionen von Karosserieholmen oder –verstärkungen beachtet werden, da sie i. d. R. nicht herausgetrennt werden dürfen, oder wenn doch, dann sind meist umfangreiche Hilfsrahmen erforderlich. Auch Lüftungsbleche, Steckdosen, Kamine etc. müssen so positioniert werden, dass sie nur in einfachen Blechflächen liegen und keine tragenden Teile zerschnitten werden müssen.
Eine Kastenwagenkarosserie ist nicht isoliert und besteht fast immer aus lackiertem Stahlblech, welches bei Beschädigung der Lackschicht zum rosten neigt.
In der Regel wird die Wand des Wohnmobils im Kastenwagen wie folgt aufgebaut:
Die Zwischenräume der Wände (zwischen den Holmen) werden mit Isolierung ausgefacht, darüber kommt eine „Dampfsperre“ aus Folie und das ganze wird mit dünnen Holzplatten (z. B.3,2 mm MDF-Platten) verkleidet. Ich empfehle noch vorher zumindest die unteren Bereich der Blechwände mit Hohlraumwachs einzusprühen, um ggf. Rosten der Bleche durch eindringendem Kondenswasser zu vermeiden.
Möbel werden im Kastenwagen im Allgemeinen an den Holmen verschraubt (z. B. mittels Nietmuttern).
Weitere Nachteile: Lässt sich nur geringfügig Isolieren und ist damit immer nur bedingt Wintertauglich. Insbesondere Türholme oder Fensterholme lassen sich nur schwer isolieren.
Vorteile. Kabel lassen sich in der Wand (hinter der Wandverkleidung) verlegen. Relativ einfach (z. B. durch einschweißen von Blechen) zu reparieren, relativ Preiswert und hohe
Verfügbarkeit von Gebrauchtfahrzeugen in den unterschiedlichsten Größen.

Sandwich-Kabinen

Sandwich-Kabinen sind die klassischen Leerkabinen, wie man sie bei den meisten bzw. bei den bekannten Leerkabinenbauen bekommt. Aber auch ein paar Wohnmobile „von der Stange“ haben Sandwich-Kabinen. Ebenso sind Beispielsweise teilweise Paketdienstkoffer oder die Aufbauten von Kühlfahrzeugen aufgebaut.

Die Sandwichkabine ist aus Sandwichplatten gefügt. Bei diesen Platten ist ein Kern aus (festem) Isoliermaterial (meist PU-Schaum) beidseitig und flächig mit einer dünnen und festen Außenlage in einer Presse beklebt. Diese Außenlagen können z. b. GfK-Platten in ca. 1,5 –2,5 mm dicke, Aluminiumbleche in 1 – 1,5 mm dicke oder Holzplatten in 4 – 6 mm dicke (Bei Bodenplatten bis 16 mm) sein. Durch die flächige Verklebung der dünnen Außenlagen mit dem leichten Kern ergeben sich relativ leichte, aber sehr steife und stabile Platten, die über sehr gute Isoliereigenschaften verfügen.
Üblich sind Wanddicken von 40 oder 50 mm, aber auch dünnere oder dickere Wanddicken werden gebaut.
Sandwichkabinen gibt es üblicherweise je nach Hersteller und Kundenwunsch in folgenden Materialkombinationen (Außenlage / Kern / Innenlage):
GfK-PU-GfK
GfK-PU-Holz
Alu-PU-Alu
Alu-PU-Holz

Sonderformen wie Alu-Holz-PU-Holz o. ä. sind ebenfalls auf Wunsch erhältlich.

Die so produzierten Leerkabinen sind selbsttragend und brauchen i. d. R. keine Holme oder Verstärkungen in den Wänden. Lediglich bei besonders schweren Lasten wie z. B. an der Rückseite angebrachten Reserverädern können zusätzliche Verstärkungen notwendig werden.
Möbel bzw. deren Befestigungen werden in der Regel mit den Wänden verklebt. Bei stärkeren Holzinnenwänden kann auch (ggf. zusätzlich) verschraubt werden. Bei dünnen GfK oder Alu-Innenwänden macht ein Verschrauben keinen Sinn, da zum einen die Schraubenausreißkräfte aus dem dünnen Material sehr gering sind und zum anderen die Innenwand bei punktueller Belastung von Schaumkern abgelöst werden kann bzw. der Schaumkern an sich punktuell geschädigt werden kann. Kräfte in GfK oder Alu-Wände müssen immer flächig eingeleitet werden,

Vorteile:
Dadurch, dass die Wände in sich tragend sind und keine Holme u. dergleichen benötigen lassen sich Fenster, Klappen usw. nahezu überall einbauen, ohne die tragende Struktur zu schädigen.
Dies gilt auch für die Möbelmontage. Diese können auch überall an den Wänden befestigt werden.
Die Kabinen sind durch den PU-Kern komplett Isoliert.
Es lassen sich auch Kabinen mit speziellen Formen realisieren.
Die Kabinen sind sehr stabil und die Dächer lassen sich im allgemeinen begehen.
Sandwichkabinen können in der Regel nicht rosten und sind sehr haltbar.

Nachteile:
Sandwichkabinen haben relativ hohe Gewichte.
Sandwichkabinen sind relativ teuer.
Selbstbau nur bedingt möglich, da der Selbstbau von Sandwichplatten nur etwas für experimentierfreudige Extrem-Do-It-Yourselfer sein dürfte. Normalerweise dürfte sich der Selbstbau einer Sandwichkabine auf das verkleben zugekaufter Sandwichplatten beschränken.



Kabinen mit tragenden Gerüsten aus Holz

Üblich bei Wohnwagen und auch bei serienmäßig vertriebenen Wohnmobilen und Absetzkabinen sehr verbreitet ist folgender Aufbau:
Ein Gerüst aus dünnen Holzleisten wird außen mit einem dünnen Alublech (oder ggf. mit einer dünnen GfK-Platte) verkleidet. Die Zwischenräume zwischen den Holzleisten werden isoliert (z. B. mit Styropor) und eine Innenverkleidung aus dünner Holz- oder MDF-Platte wird aufgebracht. Oft haben Kleiderschränke oder Nasszelle zusätzlich tragende Funktion. Überall wo Möbel befestigt werden sollen müssen in der Wand Holzleisten vorhanden sein, um diese darin zu verschrauben.
Für Ausschnitte von Fenstern, Türen und Klappen müssen passende „Rahmen“ im Holzrahmen vorgesehen werden.

Vorteile:
Sehr leichte Bauweise.
Relativ preisgünstig.
Selbstbau für entsprechend handwerklich begabt und ausgerüstete Heimwerker möglich.

Nachteile:
Der gesamte Ausbau muss vorher festgelegt sein, da die Positionen von Fenstern, Klappen, Türen und Möbelbefestigungen durch den Holzrahmen festgelegt sind. Nachträgliche Änderungen sind nicht oder nur schwer zu realisieren.
Der Wandaufbau ist sehr empfindlich gegen Feuchtigkeit. Zudem kann bei undichten Fenstern, Klappen oder auch Dichtleisten bzw. Eckprofilen Wasser oft unbemerkt in die Wand eindringen, welches man erst bemerkt, wenn schon größere Teile der tragenden Holzstruktur vermodert sind.
Durch den Holzrahmen keine durchgehende Isolierung.
Geringere Festigkeit und Lebenserwartung als Sandwichkabinen.

Kabinen mit tragenden Gerüsten aus Metall

Vom Aufbau her sind diese Kabinen den Kabinen mit Holzgerüst sehr ähnlich. Kommerziell findet man diesen Aufbautyp eher seltener bei ein paar Expeditionsmobilherstellern. Zu finden ist er aber immer wieder einmal bei Kabinenselbstbauern.
Dabei wird ein Gerüst aus Metallrohren oder Metall-Profilen geschweißt, welches dann außen meist mit Alublech beplankt wird. Die Zwischenräume zwischen den Rohren oder Profilen werden isoliert wird und innen kommt eine Innenverkleidung (meist aus Holz) auf den Rahmen.

Vorteile:
Relativ preisgünstig.
Sehr hohe Festigkeiten des Aufbaus realisierbar.
Selbstbau für entsprechend handwerklich begabt und ausgerüstete Heimwerker möglich.

Nachteile:
Wie beim Holzgestell auch ist man bei Durchbrüchen und Möbelbefestigungen an den Verlauf der Metallprofile gebunden.
Wenn aus Kostengründen oder wegen des Selbstbaus ein Stahlrahmen geschweißt wird sehr hohes Gewicht.
Bei Materialmix Stahl/Alu Probleme mit elektrochemischer Kontaktkorrosion und Alufrass.
Durch den Metallrahmen bilden sich Kältebrücken, die kaum Isoliert werden können und an denen sich innen Kondenswasser niederschlägt. Keine durchgehende Isolierung möglich.


(c) by Krabbe

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