Ausbau: Möbelbefestigung im Wohnmobil / in der Wohnkabine

Hier solltest du als Erstes nachschauen, falls du eine Frage hast, denn Antworten auf die häufigsten Fragen sind hier ausführlich beantwortet.
Auch ist die Wissensbasis der perfekte Einstieg, um Grundlagen rund um den Wohnmobil-(Aus)Bau zu erfahren...

Ausbau: Möbelbefestigung im Wohnmobil / in der Wohnkabine

Beitragvon Krabbe » Mi 10 Jan 2007 13:03

Möbelbefestigung im Wohnmobil / in der Wohnkabine


Immer wieder stellt sich die Frage nach der richtigen Befestigung der Möbel in der Wohnkabine bzw. im Wohnmobil.
Unterscheiden muss man hierbei die Gegebenheiten bei den verschiedenen Aufbautypen, da je nach Aufbauart andere Befestigungen sinnvoll sind.
Eingangs möchte ich auch noch darauf hinweisen, dass die Möbelbefestigung sicherheitsrelevant ist und mehr als nur den Belastungen im normalen Fahrbetrieb standhalten muss. Denn bei einem Unfall können Möbelteile, die sich lösen und umherfliegen eine tödliche Gefahr darstellen.

Bodenplatte
Alle Aufbautypen haben i.d.R. jedoch auch eine Gemeinsamkeit: Und zwar, dass ein großer Teil der zu befestigenden Möbel auf der/einer Bodenplatte stehen. Somit bietet sich hier zunächst ein Verschrauben in der Bodenplatte an. Wenn diese Bodenplatte von unten zugänglich ist (z. B. bei Beginn eines Kastenwagenausbaues oder bei einem Zwischenboden in einer Wohnkabine) macht es Sinn die Möbel mit metrischen Schrauben durch die Bodenplatte hindurch zu verschrauben. Z. B. mit Einschlagmuttern, Schlossschrauben, die von unten durch die Bodenplatte gesteckt werden oder bei Zwischenböden auch mit normalen Muttern und U-Scheiben. Wenn die Bodenplatte (wie bei Sandwichkabinen) nicht in der Art von unten zugänglich ist kann nur von oben verschraubt werden. Hier bieten sich entsprechende Spax® -Schrauben oder Gewindeeinsätze zum einschrauben in die Bodenplatte an.

Befestigung von Möbeln im Kastenwagen
Im Kastenwagen bietet es sich an die Möbel zusätzlich zum Verschrauben in der Bodenplatte an den vorhandenen Karosserieholmen bzw. Verstärkungsblechen der Karosserie zu verschrauben.
Verschraubungen mit geringeren Festigkeitsansprüchen können mit Blechschrauben ausgeführt werden. Dazu die Bohrungen im Blech nicht zu groß machen. Sind keine Angaben des Schraubenherstellers vorhanden empfiehlt es sich den Kerndurchmesser der Schraube (die dicke der Schraube in den „Tälern“ des Gewindes) mit dem Messschieber (Schieblehre) zu messen und etwas kleiner zu bohren.
Verschraubungen für größere Festigkeitsansprüche sollten so nicht ausgeführt werden. Wenn das entsprechende Blech von hinten zugänglich ist sollte das Möbelteil am Besten mit einer „normalen“ metrischen Gewindeschraube mit U-Scheibe (oder besser mit Karosseriescheibe – einer breiten U-Scheibe) und Mutter (bzw. Stoppmutter) verschraubt werden. Ist das Blech nicht von hinten zugänglich, weil in einen Holm verschraubt werden soll, dann kann in den Holm eine (Blind-)Nietmutter eingezogen werden, in die das Bauteil dann mit einer metrischen Gewindeschraube verschraubt werden kann. Die so hergestellte Verbindung ist hoch belastbar. Nietmuttern gibt es für verschiedene Gewindedurchmesser als Aluminium oder Stahlausführung, wobei sich Aluminiumniete einfacher verarbeiten lassen, jedoch die geringere Festigkeit haben und die Gefahr von Kontaktkorrosion gegeben ist. Zum einziehen von Nietmuttern gibt es Vorsätze für Blindnietzangen (i.d.R. eher für Aluminium-Nietmuttern geeignet) und spezielle Nietmutternzangen. Die Nietmuttern können jedoch auch ohne spezielles Werkzeug eingezogen werden. (s. u.)

Befestigung von Möbeln in der Sandwichkabine
Bei Sandwichwänden mit dünnen Innenschichten wie GfK oder Alu ist es nicht sinnvoll die Möbel in den Wänden zu verschrauben, da eine Verschraubung in diesen Wänden aus zwei Gründen nur eine geringe Festigkeit hat.
1. Die Schraube hat in den dünnen GfK- o. Alu-Schichten kaum halt. Bei GfK kommt noch dazu, dass es recht spröde ist, bei Alu-Blech, dass es in den verwendeten Materialstärken recht „weich“ ist. Dadurch kommt es zu sehr geringen Ausreisskräften für eine Verschraubung. Für Aluminium könnten diese Ausreisskräfte zwar durch Verwendung spezieller gewindefurchender Schrauben geringfügig erhöht werden, aber es bleibt das folgende Problem.
2. Durch eine Verschraubung in die Alu- oder GfK-Schicht wird die Kraft an dieser Stelle punktuell in die Sandwichwand eingeleitet. Dadurch treten lokal sehr hohe Spannungen in der Klebeschicht zwischen der Alu- bzw. GfK-Schicht und dem PU-Kern sowie in der oberen Schicht des PU-Kerns auf. Diese Schichten haben aber nur relativ geringe Zugfestigkeiten. Ihre Gesamtfestigkeit kommt aus der Größe der Fläche. Bei punktueller Belastung kann die Alu- o. GfK-Schicht sehr leicht vom PU-Kern gelöst werden, wobei entweder die Klebeverbindung oder die obere PU-Schicht versagt. Dies kann jeder an einem Reststück einer Sandwichplatte leicht testen: Fasst man mit den Fingern an einer Ecke unter die Außenlage, dann kann man diese mit wenig Kraft vom PU-Kern abziehen.

Da die Krafteinleitung in die Sandwichwand somit also nicht punktuell erfolgen darf muss sie demzufolge flächig erfolgen. Bei Zug- oder Abscherkräften erreicht man diese Verteilung der Kraft am besten durch flächiges verkleben.
Sehr gut eignen sich dazu entsprechende Kleber von Sika, Würth, Henkel o. ä. Bei entsprechender Klebenahtvorbereitung und Ausführung der Verklebung werden sehr hohe Festigkeiten erzielt. Persönlich habe ich mit Sikaflex 252® gearbeitet.
Nun kann man natürlich den fertig montierten Schrank direkt an die Wand kleben. Dabei könnte aber die Fixierung bis zum Aushärten des Klebers Probleme bereiten. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Möbel dann auch nicht mehr ohne größere Probleme ausgebaut werden können, was aber im Falle einer Beschädigung oder eines Wasserschadens notwendig werden kann.
Daher ist folgendes Vorgehen empfehlenswerter: An die Wände werden Leisten aus Holz, Aluminiumwinkel o. ä. geklebt, an denen die Möbel anschließend befestigt werden können.
Es können auch U-Profile an die Wand geklebt werden, in die später die Möbelteile hineingeschoben werden.
Von einer zusätzlichen Befestigung dieser Leisten an der Wand durch verschrauben möchte ich in den meisten Fällen abraten. Denn eine fachgerechte Verklebung hat eine ausreichende Festigkeit. Zudem sind eine (richtige) Verschraubung und eine Verklebung z. B. mit Sikaflex® kontraproduktiv. Denn eine Verschraubung hält aufgrund der Klemmkräfte. D. h. das Teil soll durch die Verschraubung möglichst fest an die Wand gepresst werden. Dahingegen benötigt die Verklebung mit Sikaflex® eine gewisse Schichtstärke der Klebeschicht, um die maximale Festigkeit zu erreichen. Die Leiste soll also gar nicht direkt an der Wand anliegen. Dazu kommt noch, dass Verklebungen mit z. B. Sikaflex® dauerelastisch sind und somit eine Längenänderung der Wand durch Temperaturschwankungen (teilweise) ausgleichen kann. Eine starre Schraubverbindung kann das nicht. Und zu guter Letzt würde ich alle „Beschädigungen“ der Aussenlagen der Sandwichwand auf das absolute Minimum reduzieren, denn jede dieser Stellen ist potentiell eine Stelle, an der Feuchtigkeit in die Wand eindringen könnte.

Die Vorteile dieser Möbelmontage mittels geklebter Halteleisten liegt auf der Hand:
- Die zu verklebenden Teile sind klein und leicht. Bei zähen Klebern, wie z. B. Sikaflex 252® kann fast immer auf eine weitere Fixierung verzichtet werden, da die Anfangsklebekraft ausreicht um das Gewicht der Leisten bis zum Aushärten zu tragen.
- Die Möbel können bei Bedarf wieder ohne große Probleme demontiert werden.
- Diese Art der Befestigung lässt gewisse Bewegungen zwischen Möbel und Wand zu (die z. B. durch unterschiedliche Längenänderung der Materialien bei Temperaturschwankungen notwendig werden)

Bei Sandwichwänden mit einer Deckschicht aus ausreichend dickem (Sperr)holz hat eine Schraubverbindung aufgrund der größeren Schichtdicke des Holzes und der damit verbundenen höheren Steifheit und somit auch größerer Kraftverteilung eine höhere Festigkeit, als in den o.a. Sandwichwänden mit Alu- oder GfK-Deckschicht. Somit kann verschrauben hier teilweise auch zu ausreichend festen Verbindungen führen. Andererseits spricht aber auch bei einer Holzinnenwand nichts gegen die Möbelbefestigung durch reines Kleben.


Befestigung von Möbel in Kabinen in „Ständer- oder Fachwerkbauweise“

Die Innenwände dieser Kabinen bieten i.d.R. keine ausreichende Festigkeit für die Befestigung von Möbeln. Hier müssen die Möbel entweder selbstragend sein (oft haben, z. B. in Wohnwagen, die Kleiderschränke oder Nasszellenwände eine tragende Funktion für die Kabine), und / oder die Kräfte müssen direkt in das Ständerwerk der Kabine eingeleitet werden, z. B. durch verschrauben in das „Fachwerk“. Beim planen des „Fachwerkes“ sollten daher die Möbelpositionen und deren Befestigung bereits berücksichtigt werden, damit die Kabinenwand an den erforderlichen Stellen entsprechend tragfähige Befestigungspunkte für die Möbel bietet.




Befestigung von Möbeln in Sonderfällen bzw. bei besonderen Ansprüchen

Sollten Fahrzeuge mit Sandwichkabinen extremen Belastungen ausgesetzt werden (Z. B. Geländefahrzeuge für den Rallyeeinsatz), dann können zur besseren Gewichtsverteilung und Krafteinleitung in die Wand entsprechende Verstärkungen bzw. Leisten zum Verschrauben der Möbel beim Herstellen der Sandwichplatten in diese eingeklebt / eingelassen werden.

Ist für eine Wechselnutzung des Fahrzeuges gewünscht, dass die Möbel herausnehmbar sind, dann kann man zur Befestigung dieser Möbel auf sogenannte Airline-Ankerprofil o. ä. zurückgreifen oder halbe Aluminium-Schnellbauprofile verkleben, in die die Möbel verschraubt werden.




Einziehen von Nietmuttern ohne Nietmutterzange

Nietmuttern sind immer dann sehr gut geeignet, wenn eine Schraubverbindung mit hoher Festigkeit in Blechen oder Holmen erstellt werden soll, und eine Verwendung von Muttern nicht möglich oder unpraktisch ist.
Ihre Befestigung im Blech funktioniert ähnlich, wie bei einer Blind- oder Popniete. Die Nietmutter wird in eine enge Bohrung gesteckt, bis sie mit dem Kragen anliegt. Dann wird sie zusammen gezogen, wobei sich der Schaft der Nietmutter aufweitet und sich von der Rückseite an das Blech anlegt und die Nietmutter dadurch festklemmt.
Zum einsetzen von (Alu-)Nietmuttern mit kleinerem Durchmesser gibt es entsprechende Einsätze für die normale Blindnietzange. Diese sind im Prinzip nur entsprechende Gewindeeinsätze mit einem dünnen Stahldorn, wie bei einer Blindniet. Diese Gewindeeinsätze werden nun in die Blindnietmutter eingeschraubt und diese wird dann mit der Blindnietzange ähnlich wie eine Blindniet eingezogen. Nur darf man dabei nicht zu feste Pressen, denn der Dorn darf nicht, wie bei einer Blindniet, abreissen, sondern man muss die Zange lösen, wenn die Nietmutter festgezogen ist.
Für den professionellen Einsatz gibt es auch spezielle Zangen um Nietmuttern einzuziehen.
Wer sich eine solche Zange nicht leisten will und keinen Einsatz für die Blindnietzange hat bzw. Stahlnietmuttern einsetzen will, die ggf. zum einsetzen mit der Nietzange zu hohe Zugkräfte erfordern, der kann sich jedoch auch anders behelfen.
Die folgende Methode ist zwar etwas komplizierter, führt im Ergebnis jedoch zu ebenso gut eingesetzten Nietmuttern wie eine spezielle Nietmutternzange.

Benötigt werden:
- Eine Schraube mit dem Nenndurchmesser der Nietmutter, die ca. 40 – 60 mm lang ist. Zu empfehlen ist die Verwendung einer Schraube, die min. der Festigkeitsklasse 8.8 entspricht, höher kann nicht schaden. Eine Ersatzschraube ist insbesondere bei mehreren Nietmuttern vorteilhaft. Ich persönlich bevorzuge Schrauben mit Innensechskant, „normale“ Sechskantschrauben gehen aber auch.
- Eine entsprechende (Sechskant-)Mutter. Ebenfalls Festigkeitsklasse 8 o. höher
- Zwei passende Unterlegscheiben (Stahl)
- Etwas Öl
- Je nach Schraube: Ein passender Schraubenschlüssel und ein Innensechskantschlüssel (mögl. T-Griff), oder einen Schraubenschlüssel und einen Steckschlüssel mit Schraubendrehergriff oder zwei Schraubenschlüssel

Nun wird das Loch für die Nietmutter mit einem passenden Bohrer gebohrt. Möglichst gut von beiden Seiten entgraten. Bei der Montage von Nietmuttern in Holmen geht das von innen am besten mit entsprechenden Handentgratern.
Ggf. Korrosionsschutz aufbringen. Es kann aber auch nach Montage der Nietmutter Hohlraumwachs auf die Stelle aufgesprüht werden.
Nun die (Sechskant)Mutter auf die Schraube aufschrauben. Anschließend beide U-Scheiben auf die Schraube stecken. Zwischen die beiden U-Scheiben etwas Öl, um die Reibung zu verringern.
Jetzt wird die Schraube mit Mutter und U-Scheiben in die Nietmutter geschraubt. Und zwar so weit, das der erste Gewindegang der Schraube am Ende wieder herausguckt.
Dann die Mutter von Hand gegen die Nietmutter drehen. Dabei die Nietmutter festhalten. Ggf. mit dem Schraubenschlüssel schon etwas vorspannen (aber nicht zu weit, da die Nietmutter sonst nicht mehr in die Bohrung passt)
[k]Wenn man nun (wie beim kontern zweier Muttern) die Mutter weiter in Richtung Nietmutter dreht und dabei diese und die Schraube festhält, dann wird die Nietmutter im oberen Bereich gestaucht und beult sich dort aus. Dies wird bei den folgenden Montage der Nietmutter gemacht.[/k]
Dazu die Nietmutter in die Bohrung setzen und (bei einer Innensechskantschraube) mit dem Innensechskantschlüssel so gegen das Blech drücken, so dass sie rundum sauber anliegt und sich nachfolgend nicht mitdreht. Nun mit der anderen Hand die Mutter mit dem Schraubenschlüssel gegen die Nietmutter drehen. Dabei dürfen sich die Nietmutter und die Schraube nicht mitdrehen.
Dabei wird nun wie oben beschrieben die Nietmutter gestaucht und wie eine Blindniete um das Blech geklemmt.
Wenn die Nietmutter fest angezogen ist die Mutter losdrehen (die Schraube noch festhalten) und dann kann die Schraube wieder aus der Nietmutter herausgedreht werden.


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