Aufbau einer 230 V Anlage im Wohnmobil

Hier solltest du als Erstes nachschauen, falls du eine Frage hast, denn Antworten auf die häufigsten Fragen sind hier ausführlich beantwortet.
Auch ist die Wissensbasis der perfekte Einstieg, um Grundlagen rund um den Wohnmobil-(Aus)Bau zu erfahren...
Gesperrt
Message
Autor
Benutzeravatar
Krabbe
womobox-Guru
Beiträge: 1716
Registriert: Di 23 Nov 2004 12:46
Wohnort: Friedberg / Hessen

Aufbau einer 230 V Anlage im Wohnmobil

#1 Beitrag von Krabbe » Fr 06 Okt 2006 10:55

Achtung:
230 V – Anlagen dürfen nur vom Fachmann installiert werden. Bei unsachgemäßer Installation herrscht Lebensgefahr. Die nachfolgenden Angaben dienen nur zur Information und dem besseren Verständnis der Wohnmobiltechnik und sollen keine Anleitung zum Nachbau durch Nicht-Fachleute sein.
Der Autor übernimmt keine Haftung für eventuelle Schäden, die entstehen wenn Nicht-Fachleute aufgrund dieser Information eine 230 V-Anlage aufbauen. Er übernimmt weiterhin keine Gewähr dafür, dass diese Anleitung fehlerfrei ist und den aktuellen Normen und Vorschriften entspricht.


Aufbau:
Die Einspeisung von 230 V darf nur über einen CEE-Einbaustecker erfolgen (3-Polig, für die blauen CEE „Campingkupplung“). Dieser Einbaustecker muss gut zugänglich und abdeckbar sein. Zu empfehlen ist der Einbau eines entsprechenden Anschlusskastens aus dem Campingbedarf. Von diesem Einbaustecker ist ein Potentialausgleich zur Karosserie zu schaffen. Dazu muss eine feindrähtige Leitung mit min. 4 mm², Farbe grün-gelb vom Anschluss des Schutzleiters (PE) auf die Karosserie gelegt werden. Hinter dem Eingangsstecker muss als erstes eine Doppelsicherung eingebaut werden (Empfehlung 2x10 A) bei der beide Sicherungen gekoppelt sind, so dass im Falle eines Überstroms beide Leitungen getrennt werden. Leiter und Neutralleiter sind beide über jeweils eine dieser Sicherungen abzusichern.
Notwendigkeit dieser Doppelsicherung: Bei Verwendung eines Schukoadapters bzw. eines Adapters für ausländische Steckdosen oder bei falsch Angeschlossenen CEE-Steckdosen kann es vorkommen, das Leiter und Nullleiter vertauscht sind. Dann wäre die Sicherung nur im Nulleiter und selbst nach auslösen der Sicherung würde im Wohnmobil noch Spannung gegen Erde anliegen. Das selbe könnte passieren, wenn beide Sicherungen nicht gebrückt währen und nur die Sicherung des Nulleiters auslösen würde.
Ein Fehlerstromschutzschalter (FI) ist im Wohnmobil nicht zwingend vorgeschrieben, da eigentlich alle Campingplätze damit ausgestattet sein müssten. Er ist aber dringend zu empfehlen, da es durchaus vorkommen kann, dass das Wohnmobil an Installationen angeschlossen wird, in denen kein (funktionierender) Fehlerstromschutzschalter vorhanden ist.
Nach den Sicherungen und dem FI-Schalter folgt dann die weitere Verlegung zu den einzelnen Steckdosen.

Installation:
Bei der gesamten Verlegung müssen 3 Adern verlegt werden. Der Schutzleiter muss komplett mit verlegt und angeschlossen werden. Der Mindestleitungsquerschnitt beträgt 1,5 mm². Als Leitungen sind erlaubt:
· (Einzel)Aderleitungen mit feindrähtigen Leitern (H07 V-K oder H07 V-R) verlegt in Isolierrohren
· Mittlere Gummischlauchleitung (H05 RN-F) oder gleich- bzw. höherwertig.
Wobei letztere vorzuziehen ist. Ansonsten müsste man wirklich die komplette Installation durchgängig in zulässigen Isolierrohren verlegen.
Nicht zulässig sind alle anderen Leitungen. Insbesondere solche mit starren Leitern aus dem Hausbereich sind unzulässig, da diese den mechanischen Belastungen im KFZ nicht gewachsen sind. Leitungen mit PVC-Mantel haben das Problem, dass sie bei kalten Temperaturen hart und spröde werden und durch die Fahrzeugvibrationen geschädigt werden können. Deshalb dürfen auch diese nicht verwendet werden.

Beim Verlegen ist weiterhin auf folgendes zu achten:
· Alle Leitungen, die nicht in Rohren oder Kabelkanal verlegt sind müssen mit Isolierschellen befestigt werden. Und zwar bei senkrechter Verlegung alle 40 cm und bei waagerechter Verlegung alle 25 cm.
· In nicht zugänglichen Bereichen dürfen die Leitungen keine Trennstellen haben. Verbindungsstellen bzw. Abzweigungen müssen in geeigneten Dosen ausgeführt sein.
· Alle Verbindungen haben in zulässiger Art und Weise zu erfolgen. So sind z. B. Aderenden mit Aderendhülsen zu versehen. Verlöten von Leitungen bzw. verzinnen von Aderenden ist nicht zulässig.
· Leitungen müssen vor mechanischer Beschädigung geschützt werden. Dies gilt auch für Abrieb durch scheuern und insbesondere für Beschädigung durch scharfkantige Teile. Führen Leitungen durch leitfähige Bauteile (z. B. Karosserie) müssen sie durch geeignete Durchführungen, Tüllen oder sonstige Maßnahmen vor Beschädigung geschützt werden.
· Sämtliche spannungsführenden Teile sind vor Berührung zu schützen.
· Beim absetzen der Leitungen sollte der Schutzleiter immer etwas länger gelassen werden, damit er im Falle eines Falles erst als letztes aus der Verschraubung gezogen wird.
· In Gaskästen dürfen sich keine elektrischen Installationen befinden.
· Leitungen für 230 V sind grundsätzlich räumlich getrennt von Installationen mit Kleinspannung zu verlegen.

Potentialausgleich:
Berührbare leitfähige Bauteile (z. B. Kocher, Spülbecken, etc.) müssen mit dem Schutzleiter der elektrischen Anlage verbunden sein. Der Nennquerschnitt dieser Potentialausgleichsleitung muss min. 4 mm² betragen. Da die Karosserie ebenfalls mit einem solchen Potentialausgleich an den Schutzleiter angeschlossen ist reicht es aus, wenn man die weiteren Potentialausgleichsleitungen gut leitend mit der Karosserie verbindet.
Sofern das Wohnmobil im wesentlichen aus Isolierstoff besteht (z. B. GfK-PU-GfK-Sandwichkabine) brauchen isoliert angebrachte Metallteile, bei denen das auftreten einer Fehlerspannung unwahrscheinlich ist, nicht an den Potentialausgleichleiter angeschlossen werden. Ich würde dies zur Sicherheit aber dennoch empfehlen, allein aus dem Grund, das man ein solches Metallteil ggf. auch von außerhalb des Wohnmobils berühren kann (z. B. beim hereingreifen durch ein Fenster von außen).


Verbindung des Wohnmobils mit dem Stromanschluß auf dem Campingplatz

Lt. Norm darf der Anschluss eines Wohnmobils an eine 230 V Steckdose auf dem Campingplatz nur mit einem Kabel erfolgen, welches folgende Eigenschaften hat:
· Bewegliche Leitung vom Typ H07 RN-F (schwere Gummischlauchleitung)
· 3-adrig (mit Schutzleiter), Mindestquerschnitt 2,5 mm²
· maximale Länge 25 m
· an beiden Enden 3-poliger (blauer) CEE-Stecker bzw. Kupplungssteckdose



Materialliste für eine 230 V-Anlage im Wohnmobil (Vorschlag):
· CEE-Einbaustecker mit Abdeckung
· Sicherungskasten mit Doppelsicherung (2 x 10 A) und FI aus dem Campingbedarf.
· Alternativ: Passender Sicherungskasten, zwei Sicherungen 10 A, die mechanisch gebrückt werden können und ein Fehlerstromschutzschalter oder ein entsprechendes Kombigerät
· Aufputz-Schutzkontaktsteckdosen nach Bedarf
· Unterputz- Schutzkontaktsteckdosen und Hohlraumdosen für Möbeleinbau nach Bedarf. Ggf. spezielle Möbeleinbau-Steckdosen
· Verteilerdosen nach Bedarf
· Feindrähtige Leitung grün/gelb mit Querschnitt min. 4 mm²
· Ca. 2 m schwere Gummischlauchleitung H07 RN-F 3 x 2,5 mm² (für Verbindung von CEE-Einbaustecker zur Sicherung)
· Mittlere Gummischlauchleitung (H05 RN-F) 3 x 1,5 mm² (für die weitere Installation)
· Aderendhülsen, Kabelschuhe und geeignete Klemmen



Anmerkung zu 230 V Beleuchtung im Wohnmobil:
Selbstverständlich kann man, wenn man eine 230 V Anlage einbaut, auch 230 V Beleuchtung vorsehen. Doch macht diese Mehrinstallation in meinen Augen keinen Sinn. Denn eine vernünftige 12 V Beleuchtung z. B. auf Basis von Halogen- und LED-Beleuchtung macht ein ausreichend gutes Licht. Bei Einbau eines Automatikladegerätes in das Wohnmobil wird das 12 V Netz aus dem 230 V Netz gespeist und der Betrieb der 12 v Beleuchtung belastet die Batterie nicht. Somit gibt es keinen Grund eine 12 V Beleuchtung nicht auch bei 230 V Stromanschluss zu betreiben.


© by Krabbe
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

Gesperrt