Gasvorschriften

Hier solltest du als Erstes nachschauen, falls du eine Frage hast, denn Antworten auf die häufigsten Fragen sind hier ausführlich beantwortet.
Auch ist die Wissensbasis der perfekte Einstieg, um Grundlagen rund um den Wohnmobil-(Aus)Bau zu erfahren...
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Krabbe
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"Neue" Regelungen seit 1.5.2005

#1 Beitrag von Krabbe » Di 15 Mai 2007 12:27

Vorschriften des „neuen“, seit 1.5.2005 verbindlichen DVGW-Arbeitsblatts G 607

Der obige Text von Christianus bezieht sich weitestgehend noch auf die alten Vorschriften, welche für Bestandsanlagen gelten, die vor dem 1.5.2005 in Betrieb genommen wurden. Seit dem 1.5.2005 gilt gibt es ein neues DVGW Arbeitsblatt G 607, welches für den Aufbau von Neuanlagen bindend ist.

Eine der wichtigsten Neuerungen ist die, dass nur noch Anlagen mit 30 mBar Gasdruck aufgebaut werden dürfen.

Weitere Vorschriften sind:

Flaschenaufstellraum („Gaskasten“)
- Der Flaschenaufstellraum muss „gasdicht“ zum Innenraum sein.
- Wenn der Flaschenaufstellraum eine Tür zum Innenraum hat, dann muss der untere „Türsockel“ min. 50 mm hoch sein und die Tür „gasdicht“ veschließen. In diesem Fall dürfen dann auch Zweiflaschenanlagen verbaut werden (Duomatic, Triomatic, etc.).
- Im Flaschenaufstellraum dürfen max. 2 Flaschen mit je max. 16 kg aufgestellt werden.
- Jede Flasche muss mit zwei Halterungen befestigt sein.
- Eine Entlüftungsöffnung, die 2 % der Grundfläche des Gaskastens , jedoch min. 100 cm² groß ist muss vorhanden sein. Diese kann entweder im Boden oder unmittelbar über dem Boden in der Seitenwand sein, oder alternativ aufgeteilt werden in zwei Entlüftungsöffnungen mit je 1% der Grundfläche, aber min. 50 cm² groß unten und oben im Gaskasten. Die Lüftungen dürfen nicht durch die Gasflasche zugestellt werden (Aluflaschen haben keine Löcher im „Aufstellring“). Auf Wechselwirkungen mit Heizung achten (Bei S-Heizung mit Frischluftzufuhr von unten darf keine Entlüftungsöffnung nach unten vorhanden sein).
- Ein Sonderfall stellt der so genannte Flaschenschacht dar. Dieser ist nur von oben zugänglich und darf nur Flaschen bis 5 kg aufnehmen. Hier reicht ein fallend verlegter Entlüftungsschlauch mit 20 mm freiem Durchmesser.
- Keine Zündquellen im Gaskasten. D. h. keine Elektroinstallation im Gaskasten, außer Dinge wie Gasfernschalter oder Füllstandsanzeigen, die zum Betreiben der Gasanlage benötigt werden.
- Wenn sich direkt über dem „Gaskasten“ der Kocher befindet, dann muss ein Hitzeschild verbaut werden.
- Der Gaskasten muss Abstand von sämtlichen Wärmequellen haben. (Auch von Auspuffanlagen unter dem Fahrzeug). Mindestmaße: Seitlicher Abstand 250 mm, unter dem Gaskasten 300 mm. Wenn dieser nicht eingehalten werden kann müssen Hitzeschilde montiert werden.
- Der oder die Gasanschlussschläuche dürfen maximal 450 mm lang sein. Bei Flaschenauszügen auch 750 mm. Sie dürfen nicht durch Wände geführt werden. D. h. sie müssen im Gaskasten an die Gasrohrleitung angeschlossen werden.
- Die Druckregler müssen für den Einsatz in Campingfahrzeugen zugelassen sein und eine Sicherheitseinrichtung haben. Es sind sowohl einzelne Regler, die direkt an der Flasche verschraubt werden, als auch Regler, die an der Wand festgeschraubt werden zulässig. Dabei dann unbedingt auf die richtigen Gasschläuche achten. Bei den neueren wandmontierten Reglern müssen spezielle Hochdruckschläuche verwendet werden. – Bei fest installierten Reglern wie z. B. der Triomatic ist ein extra Prüfanschluss sinnvoll.
- Druckregler und Gasschläuche müssen spätestens nach 10 Jahren ersetzt werden (gilt auch für Altanlagen. Kein Bestandschutz!).
- Bei Gastanks muss die Befülleinrichtung außerhalb des Fz. sein. Ein Prüfstutzen ist Vorschrift, der Tank muss direkt an das Gasrohr angeschlossen werden (kein Schlauch). Alte Tanks mit einer Zulassung nach Druckbehälterverordnung haben eine Prüfpflicht alle 10 Jahre, und müssen in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden. Bei neuen Tanks nach UN/ECE Regelung 67-01... (Prüfzeichen: E 67R-01.... ) entfällt die Eintragung und wahrscheinlich auch die Prüfpflicht alle 10 Jahre (Zur Zeit noch keine Regelung, die Gremien beraten noch darüber). (Alte ausländische) Tanks mit Prüfzeichen 67R-00... sind nicht zulässig.

Weitere Gasinstallation
Gasrohr:
Üblich und gebräuchlich ist Stahlrohr in 8 oder 10 mm mit Schneidringverschraubungen.

Alternativ zulässig sind Edelstahlrohr, Kupferrohr (bei Schneidringverschraubungen mit Stützhülsen) und hartes Kupferrohr. Bei Cu-Rohr müssen Schneidringe und Muttern aus Messing verwendet werden.
Als Verbindungsarten zulässig sind neben den Schneidringverschraubungen noch Hartlöten (Cu-Rohr), Klemmringverschraubungen, Bördelverschraubungen und Gewindeverbindungen.
Quetschverbindungen sind nicht zulässig.

- Gasrohre müssen spannungsfrei verlegt und min. alle 100 cm befestigt werden. (Cu-Rohr alle 50 cm). Befestigungen aus Metall müssen Schutzeinlage aus Kunststoff haben.
- Der Rohrdurchmesser ist so zu wählen, dass die Versorgung aller Gasgeräte gewährleistet ist. (Alle Geräte gleichzeitig Vollast). !Achtung bei Querschnittsverengungen durch biegen! Sinnvoll ist insbesondere bei großen Verbrauchern und/oder längeren Leitungswegen zumindest von der Gasflasche zum Verteilerblock 10 mm Rohr zu verlegen.
- Rohrleitungen sind ggf. vor Korrosion zu schützen,
- Offene (ungenutzte) Leitungsöffnungen bzw. freie Abgänge am Verteilerblock müssen mit Blindstopfen und Überwurfmuttern verschlossen werden.
- Gasleitungen dürfen nicht mit Elektroleitungen in Kontakt kommen. Der Abstand bei parallelem Verlegen muss min. 30 mm, bei Kreuzungen 10 mm betragen.
- Trennstellen (Verschraubungen) im Gasrohr müssen zugänglich sein. Es sollten möglichst wenige Trennstellen eingebaut werden.
- Beim Verlegen der Rohre durch Wände müssen diese so verlegt werden, dass sie nicht scheuern. (Ausreichend Abstand oder Gummitüllen o. ä.)

Gasschläuche:
- Müssen alle 10 Jahre getauscht werden.
- Müssen für das jeweilige Land bestimmt / zugelassen sein. (z. B. Niederdruckschläuche f. D sind orange)
- Die Anschlüsse müssen fest verpresst sein. Selbstbauten mit Schlauchschellen o. ä. sind verboten.
- Schläuche dürfen nicht durch Wände verlegt werden.
- Normalerweise dürfen Gasschlauch nur im Gaskasten sein. Bei schwenkbarem oder herausnehmbarem Kocher ist noch ein Gasschlauch im Innenraum zulässig. Dieser muss dann so kurz wie möglich sein (max. 750 mm) und muss vor Beschädigung gesichert sein.

Absperreinrichtungen:
- Ein Hauptabsperrhahn muss vorhanden sein. Meist genügt das Flaschenventil, sofern dies gut Zugänglich ist. (Zugänglichkeit von außen ist ausreichend).
- Für jeden Verbraucher muss ein eigener Absperrhahn vorhanden sein. Sind die Absperrhähne (z. B. bei Verwendung Absperrhahnblocks) nicht eindeutig den Verbrauchern zuzuordnen, dann müssen diese gekennzeichnet sein. Die Offen- und Geschlossen-Stellung des Hahns muss sofort erkennbar sein.

Gasgeräte

Allgemeines zu den Gasgeräten:
- alle Geräte müssen für 30 mBar Gasdruck vorgesehen sein.
- Alle Gasgeräte müssen für den Betrieb in Strassenfahrzeugen geeignet und zugelassen sein.
o (Gerät muß CE o. DVGW-Zertifiziert sein, o. 90/396/EWG entsprechen.)
o Ab 1.10.02 muss es ggf. 72/245/EWG entsprechen (EMVU)
- Alle Gasgeräte müssen für Deutschland und für den Betrieb mit Propan und Butan zugelassen sein.
- Insbesondere bei Gebrauchtgeräten: Die Typenschilder müssen vorhanden und lesbar sein.
- Alle Geräte müssen über eine Flammüberwachung (Zündsicherung) verfügen.
- Geräte müssen entsprechend den Herstellerangaben eingebaut und betrieben werden
o z. B. Abgasführung
o z. B Abgaskamin nicht in der Nähe von Fenstern

Das heißt auch, dass Haushaltsgeräte i.d.R. nicht verbaut werden dürfen, auch wenn sie eine DVGW-Nr. tragen, da diese keine Zulassung / Prüfung für den Betrieb in Fahrzeugen haben, sondern nur für den Betrieb im Haushalt zugelassen sind.

Spezielles zu einzelnen Geräten:

Heizung:
- Heizungen müssen für den Einbau in Kraftfahrzeugen zugelassen sein. (Es gibt auch Heizungen nur für Wohnwagen oder nur für Wasserfahrzeuge). Seit dem 1.1.07 muss die (neu in Serienfahrzeuge eingebauten) Heizung eine e-Typgenehmigung nach 2001/56/EG und 2004/78/EG haben.
- Bitte auch die neuen Vorschriften zur Heizungsnutzung während der Fahrt beachten.

Backofen / Grill:
Es gibt zugelassene Geräte ohne geschlossenen Verbrennungskreislauf (ohne Abgasführung nach außen). Dann muss aber zwingend eine ausreichende Belüftung nach DIN EN 721 vorhanden sein und nachgewiesen werden. Dies ist für Selbstausbauer m. E. nicht durchführbar. Daher sollte auf Backöfen mit geschlossenem Verbrennungskreislauf zurückgegriffen werden.

Herd:
Beim Betrieb des Herdes muss eine Belüftungsöffnung mit 150 cm² geöffnet werden.
Das Erwärmen der Einrichtung muss vermieden werden, eine Brandgefahr darf nicht vorhanden sein. Bei zu geringem Abstand zu brennbaren Gegenständen müssen fest angebrachte (ggf. klappbare) Abschirmbleche vorhanden sein. (Notwändige Abstände zu festen, brennbaren Gegenständen (z. B. Möbelwänden) 200 mm, zu beweglichen Gegenständen (Vorhänge) min. 300 mm)
Der Text des vorgeschriebenen Warnhinweises hat sich geändert:
„WARNUNG Beim Kochen ist es erforderlich, für zusätzliche Lüftung zu sorgen, z. B. durch das Öffnen von Fenstern in der Nähe des Grill-, Koch- oder Backgerätes. Diese Geräte dürfen nicht zur Raumheizung verwendet werden.“

Kühlschrank:Darf nur noch so eingebaut werden, dass die Verbrennungsluftzufuhr und die Abgasführung dicht gegen den Innenraum sind. Dazu gibt es inzwischen entsprechende Einbausätze der Kühlschrankhersteller.

„Gassteckdose“ für Grill o. ä.:
Es sind nur Sicherheits-Schnellschlusskupplungen zulässig, bei denen das Öffnen nur bei eingestecktem Gasschlauch möglich ist und der Gasschlauch nur bei geschlossenem Absperrhahn abgezogen werden kann.
„Gassteckdosen“ für Geräte außerhalb des Fz. müssen außen sein. An „Gassteckdosen“ innerhalb des Fahrzeugs (z. B. für einen herausnehmbaren Kocher) dürfen keine Geräte außerhalb des Fahrzeugs angeschlossen werden.
Ältere Modelle oder Kupplungen ganz ohne integrierten Absperrhahn dürfen nicht verwendet werden.

Gas-Lampe:
Je Gaslampe muss eine unverschließbare Lüftungsöffnung mit 10 cm² vorhanden sein.

Abgasführungen:

Unvorschriftsmäßige Abgasführungen können gefährlicher sein, als unvorschriftsmäßige Gasleitungen. Daher sollte auch bei der Abgasführung sehr gewissenhaft gearbeitet werden.
Insbesonder ist auf folgende Punkte zu achten:
- Abgasleitungen müssen durchgängig sein. (Es dürfen keine Trennstellen im Rohr vorhanden sein.)
- Sie müssen i. A. steigend verlegt sein (außer Hersteller genehmigt etwas anderes).
- Es dürfen keine Abgasrohre aus Aluminium mehr verbaut werden. (Außer sie sind vom Hersteller vorgesehen bei Abgasrohren, die innerhalb der Verbrennungszuluftrohre geführt werden.)
- Abgasrohr müssen auf voller Länge einsehbar sein. (Abschraubbare Verkleidungen oder Schutze dürfen jedoch vorhanden sein.)
- Abgaskamine, die über Dach münden müssen mindestens 250 mm hoch sein.
- Abgaskamin von Geräten mit Gasverbrauch > 30 g/h dürfen nicht unter Fenstern münden und müssen min. 300 mm Abstand zu Fahrzeugöffnungen haben. Alternative kann ein Abschaltkontakt für das Gerät am Fenster angebracht werden. (Gibt es z. B. für die Truma C-Heizungen)



Tipps:

Wegen des geringeren Gasdruckes in einer 30 mBar Anlage ist es wichtig, dass die Leitungsquerschnitte nicht unnötig verengt werden. Deshalb rate ich dazu die Gasleitungen möglichst mit einem passenden Rohrbiegegerät zu biegen (Kein Gerät für 16 mm Gasrohre für die Haushaltsinstallation, sondern nur Geräte passend für 8 mm bzw. 10 mm Rohr. Geräte zum Biegen von Bremsleitungen oder Einspritzleitungen sind lt. Information aus dem Forum auch geeignet.)

Für das Abschneiden der Rohre empfehle ich einen kleinen Rohrschneider aus dem Baumarkt (unter 5€). Damit sind saubere und vor allen Dingen gerade Schnitte möglich, außerdem geht das Ablängen der Rohre damit sehr schnell, z. B. auch im Wohnmobil. Beim Sägen mit der Metallsäge besteht in erster Linie die Gefahr, dass Sägespäne in das Gasrohr geraten. Daher dann unbedingt die Rohre vor Einbau mit (ölfreier) Druckluft ausblasen.


(c) by Krabbe (Sachkundiger für Flüssiggasanlagen gemäß DVGW-Arbeitsblatt G607)

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