Zurück aus Lateinamerika

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RioPlata
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Re: Zurück aus Lateinamerika

#16 Beitrag von RioPlata » Sa 23 Mär 2019 11:05

Hola Stefan,

Danke dafür das Du Deine Erfahrungen mitteilst. Es hilft mir sehr bei den Vorbereitungen, sowohl für unsere geplanten Reisen in die Nachbarländer als auch bei der Vorbereitung des Ausbaues.

Saludos cordiales
Evaristo
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mrmomba
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Re: Zurück aus Lateinamerika

#17 Beitrag von mrmomba » Sa 23 Mär 2019 11:14

Hallo Stefan,

Ich finde es super, dass du deine Erfahrung mit uns teilst. Es ist einfach gut geschrieben und beschrieben - so dass es auch keine Fragen von meiner Seite her gibt.

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Re: Zurück aus Lateinamerika

#18 Beitrag von Canoe » Mo 25 Mär 2019 12:20

Elektrik:
Ich habe folgende Komponenten: Büttner 40 A Batterieladegerät, Fraron 1500 mod. Sinus Inverter, Ford Doppelbatterieanlage mit Batteriemanagement und Trennrelais, 2x80 (später90) Ah Bleisäure Aufbaubatterien, Solarregler (erst 220 W Einfachregler, dann 350 W MPP), Batteriecomputer, Bedienpanel, (alles Votronic), diverse LED Lampen, erst Kissmann dann 90 l Engel Kompressorkühlschrank , Fiamma mobiler Dachventilator, 600 W Wasserkocher.
Erfahrungen:
Das teure Büttnerladegerät habe ich genommen, da es auch 110V/60 hz. Eingang verträgt, dann allerdings mit halber Leistung. 20 A reichen aber auch und ich spare mir den schweren Trafo in 110V Ländern. In vielen Ländern gibt es häufig Überspannung, die vom Trafo schlicht verdoppelt werden. Ich habe selbst bei 3 Reisenden gesehen, wie das zu Schäden geführt hat. Zusätzlich habe ich den Landstrom fast immer nur zum Batterieladen verwendet und den Wechselstrom vom Inverter genommen. Nur bei wirklich verläßlichen Netzen habe ich (manuell) umgeschaltet und den Außenstrom im Aufbau benutzt. Insgesamt haben wir nur selten Landstromanschluß genutzt, weil es meist keinen gab.
Reinen Sinusstrom haben wir nie vermisst, unsere Geräte haben mod. Sinus klaglos vertragen.
Das Ford Batteriemanagement hat gut funktioniert. Es verträgt bis zu 240 Ah Aufbaubatterien, wir hatten max. 180 W. Da alle Batterien unter den Vordersitzen sind, sind die Leitungen kurz und die Batterien geschützt. Die Nassbatterien habe ich ursprünglich nur dringelassen, da ich zu geizig war, die serienmäßigen neuen Batterien zu entsorgen. Nach den Berichten im Netz dachte ich, nach spätestens 2 Jahren wären die Nassbatterien kaputt und ich würde sie dann mit AGM ersetzen. Irrtum. Nach 7 Jahren fingen sie erst an zu schwächeln und nach den guten Erfahrungen habe ich sie wieder mit Nassbatterien von Bosch ersetzt. In Uruguay leicht zu bekommen und preiswert.
Ursprünglich hatten wir 160 Wp Solar. Das war bei nicht optimalen Lichtverhältnissen zu wenig. Erst habe ich den Einfachregler durch einen 350 W MPP ersetzt. Das hat schon etwas gebracht. Dann habe ich noch 100 Wp zusätzlich auf dem Dach installiert und ein weiteres mobiles 60 Wp Faltpanel mitgenommen, wenn wir im Schatten parken. Der Laderegler des mobilen Panels und der fest installierte haben sich aber gegenseitig gestört, so dass ich den am mobilen Panel stillgelegt habe und das Panel über eine Steckdose an den eingebauten Regler anschließen kann. Das funktioniert gut. Und die Solarkapazität reicht jetzt.
Ein Batteriecomputer ist m.E. unerlässlich. Er informiert über den Ladezustand und man sieht sofort Unregelmäßigkeiten in der Elektrik.
Der Kissmann Kühlschrank war mit hohen Temperaturen in Afrika schlicht überfordert und wurde dort entsorgt. Dort fand ich nur den 90 l Engel. Der hatte wenigstens ein funktionierendes Gefrierfach und kühlt zuverlässig auch bei hohen Temperaturen. Er ist aber schlecht isoliert und läuft bei Wärme trotz zusätzlichem Ventilator und großzügiger Belüftung praktisch non stop. Er ist laut. Der Verbrauch ist mit 40-65 AH/Tag hoch. In meinem anderen Womo habe ich eine 60 l Indesit Kühlbox. Die verbraucht die Hälfte. Meine Erfahrungen wurden von anderen Eignern von Kühlschränken und Kühlboxen bestätigt. In Zukunft nur noch Kühlbox.
Der mobile Ventilator wird bei Bedarf in eine Dachluke eingesetzt. Bei großer Wärme hilft er ziemlich gut, vor allem beim Kochen.
Den Wasserkocher haben wir fast täglich genutzt. Das spart erheblich Gas und vermeidet das weitere Aufheizen, wenn man bei warmem Wetter Kaffee kocht. Er verbraucht für 1/2 l etwa 10 Ah bei Strömen von etwa 80 A. Offenbar können die Nassbatterien das vertragen, da sie als Starterbatterien konstruiert sind.
Gruß Stefan
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Re: Zurück aus Lateinamerika

#19 Beitrag von Canoe » Di 26 Mär 2019 11:47

Wasser:
Die Wasseranlage ist konventionell, 100 l Tank, 60 l Abwasser, 10 l Toilette, Dometic Kassettentoilette, Truma 4 für warmes Wasser, shureflow Whisperking Druckpumpe und Grohe Haushaltsarmaturen. Die Wasseranlage war vollkommen unauffällig. Eine Filteranlage haben wir nicht, Probleme mit der Wasserqualität hatten wir nie. Zum Trinken nehmen wir gekauftes Wasser, für sonstigen Gebrauch, auch Kochen und Kaffee, Tankwasser. Ganz selten haben wir in den Tank Micropur gegeben. Zum Abstellen über 7 bis Monate haben wir das Wasser im System mit Micropur Forte (Chlor) haltbar gemacht.
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Re: Zurück aus Lateinamerika

#20 Beitrag von RioPlata » Di 26 Mär 2019 19:42

Hola Stefan,

was mir bei Euren Reiseberichten aufgefallen ist ( oder habe ich es übersehen? ), Ihr habt Bolivien nicht bereist. Gab es dafür einen besonderen Grund oder hat es sich nicht ergeben?

Saludos cordiales
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Re: Zurück aus Lateinamerika

#21 Beitrag von Canoe » Di 26 Mär 2019 22:00

Doch wir waren in Bolivien, sogar ziemlich ausführlich.
Das war, bevor wir Euch besucht haben.
Grüße Stefan
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Re: Zurück aus Lateinamerika

#22 Beitrag von Canoe » Mi 27 Mär 2019 11:55

Weiter geht´s, auch wenn es offenbar die Diskussion nicht wirklich anregt.
Gasanlage:
Ich habe lange geschwankt, ob ich gasfrei baue. Nach viel Recherche habe ich dann entschieden, daß ich für Heizung, warmes Wasser und Kochen Gas nehme. Der wesentliche Grund war, daß wir die Panamericana fahren wollten und damit viel in großer Höhe sein würden. Da funktionieren Dieselkocher und Dieselheizung/Boiler wegen des Sauerstoffmangels nur ungern. Nach nunmehr fast 9 Jahren Erfahrung bin ich sehr froh, so entschieden zu haben. Der Gaskocher und die Truma 4 haben immer vollkommen problemlos funktioniert, auch auf 5.000 m. Selbst als wir fast 2 Monate konstant zwischen 3500 und 4900 m Höhe reisten, gab es keine Probleme. Die kann man da auch nicht brauchen, denn nachts hatten wir meist um die 0 Grad oder kälter. In der Höhe ist man sogar noch kälteempfindlicher, da brauchen jedenfalls wir Weicheier Heizung und eine warme Dusche. Sämtliche Reisende, die wir auf der Panam getroffen haben und die schon länger unterwegs waren, hatten Probleme mit ihrer Dieselheizung/Boiler. Im besten Fall hatten sie irgendeinen Höhenkit, da tat die Heizung, musste aber alle paar Monate gereinigt werden. Das merkt man erst, wenn sie den Dienst einstellt. Reinigen ist eine Arbeit von ein paar Stunden, wenn die Heizung zum Ausbau gut zugänglich ist. Hatten sie keinen Höhenkit, hat die Heizung über 2500-3000 m schlicht nicht funktioniert. Die Dieselheizungen/Boiler sind bei längerem Einsatz in Höhe oder/und mit schlechtem Diesel nach meinem Eindruck viel anfälliger als Gas. Die Dieselkocher habe ich nicht im Einsatz gesehen, aber die sind mir schon auf Meereshöhe schlicht zu unkomfortabel und langsam. Große Trucks hatten häufig Induktionskocher, die sind super, wenn man entsprechende Batteriekapazität hat.
Gasversorgung war, entgegen meinen Befürchtungen, nie ein Problem WENN man richtig ausgerüstet ist. Unsere Reserveflasche habe ich noch nie genutzt. Gasfüller findet man über die App IOverlander.
Wir haben eine Tankflasche mit Außentankanschluß. In Nord- und Lateinamerika gibt es in den meisten Ländern (nicht Argentinien, da haben sie Erdgas) Gastankstellen für LPG, die wir mit dem Außenanschluß und den richtigen Adaptern problemlos nutzen konnten. In Afrika und einmal in Argntinien haben wir die Flasche ausgebaut und in einem Gasdepot füllen lassen. Etwas mehr Arbeit aber auch möglich, wenn man die nötigen Adapter hat. Da müßt Ihr vor der Reise Eure Hausaufgaben machen und Euch Adapter besorgen. Gibt es bei Wynen https://www.wynen-gas.de/ . Nach meinen Erfahrungen würde ich NIE mit einer normalen Flasche ohne Füllstop auf Reise gehen. In einigen Ländern (u.a, USA und Kanada) dürfen Flaschen ohne Füllstop rein rechtlich nicht gefüllt werden. Außerdem sind nach meinen Beobachtungen die "Gasfüller" manchmal, vorsichtig ausgedrückt, nicht ganz professionell. Da wird nach Gefühl gefüllt. Ohne Füllstop kann das in großer Hitze gefährlich werden. Bei Gas bin ich einfach ein Angsthase und vermeide Risiken so weit es geht.
Gruß Stefan
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Re: Zurück aus Lateinamerika

#23 Beitrag von mrmomba » Mi 27 Mär 2019 12:48

Canoe hat geschrieben:
Mi 27 Mär 2019 11:55
Weiter geht´s, auch wenn es offenbar die Diskussion nicht wirklich anregt.
Ich glaube mit >700 ist dein Thema schon für viele Interessant. Jedoch kann man über deine Erfahrung wenig Diskussieren, da sie ja keine Vermutungen sind.
Die hast du gemacht und die treffen auf dich zu - und möglicherweise auch auf viele anderen.
Bringt ja nichts, wenn ich jetzt sage, das meine Dieselstandheizung praktischer und besser ist und überhaupt unfehlbar.
Deine Erfahrung wegzudiskutieren wäre wie damals in der Schule:
Schreibt eure Meinung zu dem Thema auf die wird benotet -> Ich bin da anderer Meinung: Note 4

Daher lass dich bitte nicht beirren, dass die Kommentare ausbleiben, deine Zusammenfassung ist eher wie ein - ja keine Ahnung, Duden?
Sie sind praktisch gesammelt, haben dementsprechend auch Hand, Fuß und Glaubwürdigkeit.

Zusätzlich nimmst du auch Sachen auf, die hier immer wieder mal vereinzelnd besprochen werden - ich sag nur:
2x80 (später90) Ah Bleisäure Aufbaubatterien mit knapp 7 Jahre Lebensdauer.
Wird hier immer mal wieder geschrieben und von den 'älteren' Campern bestätigt.
Aber der LiFePo-Irrsinn gaukelt eine Längere lebensdauer der neueren Technik vor - es gibt noch keine 7 Jahreserfahrung in dem Bereich....
Wer also Nicht im Kapazitä-vs.-Gewichtskampf drin steckt, brauch da gar nicht groß Nachdenken. Und diese Erkenntnis hast du quasi "aufgefrischt"

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Re: Zurück aus Lateinamerika

#24 Beitrag von RioPlata » Mi 27 Mär 2019 16:17

Bezüglich Gas, vom Grundsatz gebe ich Dir erst einmal Recht.

Als Ergänzung:
Von der praktischen Erfahrung her haben die meisten Wohnmobilfahrer immer noch die gewöhnliche 11 Kg Flasche/n an Bord und befüllen hier bei uns über Adapter ( Ich rede hier nur von PY ).

Ich kenne bei uns im Umkreis nicht eine Gastankstelle die die Gasflasche nicht befüllen würde, entscheidend ist den richtigen Adapter dabei zu haben.

Zur Sicherheit: Es ist wichtig ein paar Eckdaten zu seiner Gasflasche im Kopf zu haben. Nettogewicht / Tara ( je nach Ausführung zwischen 5,6 Kg Alu und bis zu 13 Kg Stahl ). Die 11 Kg Flasche hat einen Rauminhalt von 27,2 Litern und darf nur zu 80% befüllt werden ( 20% Sicherheitsreserve / Ausdehnung ). Heißt eine absolut leere Flasche kann mit 21,75 Litern befüllt werden ( entpricht 11 Kg ).

Das bedeutet das man vor dem befüllen ausrechnen sollte wieviel Liter fehlen und dann dem Tankwart ansagen und auf die Finger / Tanksäule schauen sollte. Im Zeitalter der Taschenwaage und des Taschenrechners keine allzu große Herausforderung.

Beispiel bezogen auf Propangas:
Alu-Gasflasche mit 5,6 Kg Tara zeigt 8,0 Kg an. Es sind noch 2,4 Kg oder 4,7 Liter Gas in der Flasche. 21,75 weniger 4,7 Liter = es können 17 Liter Gas getankt werden.

Saludos Evaristo
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Re: Zurück aus Lateinamerika

#25 Beitrag von KingWarin » Mi 27 Mär 2019 21:19

Ahoi Stefan,

ich wollte eigentlich schon vor ein paar Tagen schreiben, bin aber Zeitlich nicht dazu gekommen.... Ich verschlinge die Kapitel wenn du sie postest, gerade da Südamerika ja das Ziel ist für mich hochinteressant!

Gruß
Sven

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Re: Zurück aus Lateinamerika

#26 Beitrag von Multivan » Do 28 Mär 2019 07:39

Hallo Stefan, das hier keine große Diskussion zu deinen Zeilen entsteht, würde ich auch nur als positiv werten!
Du schreibst einfach sehr sachlich und kurzweilig, da gibt´s halt wenig Fragebedarf! :D

Nur weiter so, danke! :mrgreen:

Gruß

Holger

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Re: Zurück aus Lateinamerika

#27 Beitrag von ralf1964 » Do 28 Mär 2019 09:08

Zum Thema Gas ziehe ich nur wieder eine schon vorhandene Erkenntnis daraus:
Gas ja
Tankflasche ja (am besten eine die auch noch Gewicht spart - wenn man sie mal tragen muss)
Adapter
und keine Angst vor Gas bekommt man schlecht ;-)
Ob Südamerika, Afrika oder Asien Gas wir weltweit genutzt - meist zum Kochen

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Re: Zurück aus Lateinamerika

#28 Beitrag von Canoe » Do 28 Mär 2019 15:56

Danke für die Rückmeldung. Jetzt das nächste Kapitel, Aufbau und Ausbau:
Ich habe eine Ormocarkabine mit 1,5 mm GfK außen, 40 mm Schaum und 1,2 mm GfK innen. Wie schon an anderer Stelle beschrieben ist sie teilintegriert, d.h die Rückwand und das Dach des Fahrerhauses sind entfernt und die Kabine mit dem Gepäckalkoven ist starr an das Fahrerhaus geklebt. Sie ist auch starr mit dem Rahmen verbunden. Ich war erst skeptisch, ob das hält, aber die Kabine hat nirgends Risse, auch nicht an den Verbindungen zum Fahrerhaus. Die Konstruktion entspricht auch den Aufbaurichtlinien. Durch die aufgeklebten stabilen Eckprofile ist die Kabine, wie jede Kabine dieser Bauart strukturel stabil und hält "Feindberührung" im Bereich der Eckprofile gut aus. Punktbelastungen sind die Panele allerdings nicht gewachsen. Eine vorstehende Dachlatte in einer extrem engen Ortsdurchfahrt und ein horizontales Tragrohr eines Sonnendaches haben sich durch die GFK Schicht gebohrt. Mit Kunstoffspachtel, den es auch in der 3. Welt in jedem der überaus zahlreichen Baumärkte gibt, war das aber leicht zu flicken.
Zunächst hatte ich Dachhauben von Remi mit einem Kurbelmechanismus. Die waren nach wenigen Monaten in Afrika vermutlich durch den Staub nicht mehr funktionsfähig. Ich habe sie durch einfache Heki mit Bügel-Hebelmechnismus ersetzt. Die sind zwar auch ziemlich laberiger Kunststoff, haben aber gehalten. Die Mückennetze sind wie bei den Seitzfenstern kaum wirksam. In Malaria- oder Denguegebieten haben wir zusätzlich Mückennetze mit Klettband innen am Fensterrahmen befestigt. Achtung: Den weichen Teil des Klettbandes auf den Rahmen kleben sonst bleibt jeder Pulli am Klettband hängen wenn man sich ans Fenster lehnt. Das hatten wir erst verkehrt gemacht. Dachauben sind für uns in heißem Wetter unabdingbar, da sonst, vor allem beim Kochen, der Hitzestau an der Decke nur schlecht entlüftet werden kann. Der Kamineffekt hilft sehr, vorallem, wenn er noch durch einen elektrischen Lüfter in einer der Hauben unterstützt wird.
Die Fenster sind Seitz. Zu denen und zur (Un)Wirksamkeit der Mückennetze ist hier schon viel gesagt worden. Sie sind halt miese Qualität, aber in einem 3,5 t muß man schon aus Gewichtsgründen damit leben.
Wie schon geschrieben hat die Dekalinabdichtung die hohen Temperaturen und die starke UV Strahlung auf die Dauer nicht ausgehalten. Sie wurde undicht (blöderweise, während das Auto für Monate abgestellt war) und mußte mit einem Dichtkleber ersetzt werden.
Der Grundriss ist sehr ähnlich diesem http://www.exploryx.de/index.php/indivi ... impala-iv/ , wenn auch nicht so edel. Den Ausbau habe ich ganz konventionell mit kunstoffbeschichteten 15 mm Möbelbauplatten von Reimo gemacht. Der Vorteil ist, daß das sehr stabil ist und die Oberflächen auch jetzt noch gut aussehen. Der Ausbau ist aber schwer und ich würde heute, wo möglich, dünneres und leichteres Material verwenden. Dazu gibt es ja schon jede Menge guter Beiträge hier, die ich nicht wiederholen möchte. Die Reimo Pushlocks, vor allem die kleinen, sind nicht der Hit. An verschieden Schränken und Schubladen habe ich Riegel nachgerüstet, damit die Schränke auch auf Pisten zu bleiben. Ich habe festgestellt, daß die Kabine und vorallem das Dach bei großer Wärme sich um einige mm ausdehnt/hebt. Da gibt dann irgendetwas nach. Entweder reist die Sika-Klebenaht der Schränke oder der Schrank verzieht sich und die Pushlocks mit ihren kurzen Laschen halten nicht mehr. In meinem anderen Camper habe ich Southco Latches https://www.southco.com/en-us/product/h ... l?hid=7326 . Die sind viel stabiler und auch einstellbar. Da ging noch nie etwas auf. Jedenfalls die größeren und schwereren Oberschränke habe ich nach den bösen Pisten in Afrika nach unten abgestützt. An der Sikaverklebung hatten sich vereinzelt Risse gezeigt.
Als Matratzen haben wir 2 handelsübliche 80x200 cm 7 Zonen Kaltschaummatratzen auf einem ausziehbaren Lattenrost, der zum Heckstaukasten (der ist auch beheizt) offen ist. Das ist sehr bequem und durch die Unterlüftung hatten wir da nie Kondensation oder Feuchtigkeit.
Die Dusche ist im Durchgang nach vorne und mit etwa 70x80 cm Grundfläche gut nutzbar. Abgeteilt zu Toilette und Waschbecken ist sie mit einem Vorhang, auf dem Boden liegt ein Bambusrost, den ich zufällig genau passend in der Badabteilung eines Baumarktes gefunden habe. Die Toilette ist eine normale Dometic Kassettentoilette mit drehbarer Schüssel. Dusche und Toilette haben wir praktisch täglich genutz, da andere Sanitäranlagen entweder nicht vorhanden oder, milde ausgdrückt, wenig einladend waren. Ohne eigene Dusche und Toilette wäre ich ziemlich schnell alleine gereist. Für die Duschtasse habe ich eine 30 mm PU Schaumplatte von Ormocar mit dem Messer zur Mitte hin wie einen Hohlspiegel ausgehölt und bündig mit den Seitenwänden GfK Deckmaterial von Ormocar draufgeklebt. Das würde ich heute nicht mehr so machen. Das Auto steht nie gerade und trotz des leichten Gefälles zur Mitte läuft das Wasser, wenn man mit der falschen Neigung steht, in die Ritzen neben der Toilette. Das weiße GfK Material sieht am Boden sehr schnell unansehnlich und verkratzt aus. Auch die Drehtoilette würde ich nicht mehr installieren. Sie kann nicht bündig mit der Wand eingebaut werden und hat viele Ecken und Winkel. Das Reinigen der Außenseite und der Ritzen zu den Wänden ist mühsam. Ich würde heute eine Banktoilette nehmen, die bündig an die Seitenwände kleben und einen Wulst um die Duschtasse bauen. An der Kassette mußte ich einmal die Dichtung erneuern und irgendwann ging, wie bei allen diesen Toiletten, die elektrische Füllstandsanzeige kaput. Die ist aber überflüssig, da man durch analoges Reinsehen den Füllstand auch sieht. Eine TTT gab es 2010 , als ich das Auto gebaut habe, noch nicht für Womos. Ich bin allerdings nicht sicher, wie die sich bei extremen Temperaturen verhält und ob ich überall die nötigen Ingredienzen bekommen würde. Ich würde daher vermutlich für eine Fernreise immer noch konservativ eine Kassette nutzen, habe mich aber mit dem Thema noch nicht beschäftigt. Fäkaltanks sind m.E. für so eine Reise untauglich, da es keine geeignete Entsorgung gibt. Ich habe in Afrika einen, in Lateinamerika etwa 5 Einlässe gesehen, in die man Abwasser- und Fäkaltanks entleeren kann. Sonst werden die alle in die Natur entleert. Bei Abwasser ist das noch vertretbar, da auch die Häuser und Duschen der Campingplätze in der Regel ihr Abwasser in den Graben oder auf die Wiese leiten. Bei Fäkalien mache jedenfalls ich da nicht mehr mit. Eine Kassette wird in eine Toilette entleert und damit das Gewissen beruhigt. Daran, daß selbst Großstädte meist keine Kläranlagen haben, sollte man aber nicht denken.
Bei dem Grundriß gibt es eine Tür zwischen Fahrerhaus und Kabine. Das ist wichtig und die Tür sollte stabil sein. Beim Fährtransport muß man der Gesellschaft einen Schlüssel zum Fahrerhaus geben, da Hafenangestellte das Auto auf die Fähre fahren. Die möchte man nicht in der Kabine haben. Ein Fahrerhaus ist nicht wirklich gegen Einbruch zu schützen, eine Tür zur Kabine ist eine zusätzliche Sicherung. Bei heißem oder kaltem Wetter ist das unisolierte Fahrerhaus eine gewaltige Wärme/Kältequelle, die man mit einer Tür isolieren kann. Nachteil ist, daß man mit der Klimaanlage im Fahrerhaus nicht während der Fahrt die Kabine herunterkühlen kann.
Bei uns ist nach der Probefahrt im Balikum nie mehr eingebrochen worden. Als Einbruchschutz hatten wir folgende Maßnahmen: Nur ein Türschloß auf der Fahrerseite, mit rundem Schlüssel (Schraubenzieher ins Schloß funktioniert nicht) gesichert durch Hartmetallplatte um das Schloß. Tresorverschluß, d.h. mit der Fernbedienung d.h. die Tür kann nicht von innen geöffnet werden, wenn die Seitenscheibe eingeschlagen wird. Das ist alles serienmäßig beim Transit. Zusätzlich habe ich Einbruchsschutzfolie an den Seitenscheiben im Führerhaus, je eine Edelstahlstange an den droßen Seitzfenstern und der Midiheki und stabile Schlösser und Scharniere (halt Ormocar) an den Türen und Klappen. Die Stangen habe ich installiert, nachdem bei der Probereise in Litauen das Seitzfenster aufgehebelt worden war. Im Auto versteckt gibt es ein Geheimfach und einen Safe, wo wir Wertvolles einschließen. Das war bei dem Einbruch in Litauen gut, da so nichts Wertvolles gestohlen wurde.
Das war es so weit. Im nächsten Kapitel mache ich noch ein paar allgemeine Bemerkungen zu Themen, die uns im Zusammenhang mit Fernreisen aufgefallen sind.
Gruß Stefan
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Re: Zurück aus Lateinamerika

#29 Beitrag von Rolf1 » Do 28 Mär 2019 16:21

Hallo Stefan,

Supertoll, dass Du aus der Praxis berichtest. Auch ich lese still mit und bin begeistert von der unterhaltsamen Schreibe und den nützlichen Informationen.

Ich meine, dass dies kein Diskussionsthread werden soll, daher finde ich es gut und richtig, dass die Leute sich hier nicht mit ausführlichen Kommentaren und Meinungen beteiligen.

Das ist aber keinesfalls ein Zeichen von Desinteresse!!!

In diesme Sinne: Weiter so!

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Re: Zurück aus Lateinamerika

#30 Beitrag von Picco » Fr 29 Mär 2019 07:41

Hoi Stefan

Toller Bericht!!!
Danke dafür!

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