Winterdiesel

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campo
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Re: Winterdiesel

#16 Beitrag von campo » Do 15 Dez 2016 07:11

Hallo Wiru
Erstmal, es ist total verboten von Mercedes um Benzin bei zu mischen bei ein Common rail Diesel Motor !
Additiv zufügen musst du tun bevor es kalt wird und Paraffin Flocken auftauchen. Die Paraffin kriegst du nicht einfach mehr lose.
Hier siehst du ein Diesel Filter, nach 4 Tage in eine Ecke der Werkstathalle gestanden zu haben bei +15/18°C.
Also der Wax geht nicht mehr weg ohne sehr hohe Temperaturen.
Der Filter, voll verstopft, wurde ausgebaut nachdem es ein paar Tagen minus 3 bis 6 Grad war.
gruesse Campo

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TGM 13290 4x4 in Aufbau

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Pelzerli
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Re: Winterdiesel

#17 Beitrag von Pelzerli » Do 15 Dez 2016 09:28

restler hat geschrieben:... in der Schweiz ein gefüllt? Habe mal gelesen, dort gäbe es das ganze Jahr über "Winterdiesel", ohne dass er so bezeichnet wird. ...
In der Schweiz gibt es "Ganzjahresdiesel". :!:
Ganz pfiffig, denn der flockt auch im Sommer bei Minusgraden nicht aus.

Gruss Pelzer
.
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halber
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Re: Winterdiesel

#18 Beitrag von halber » Do 15 Dez 2016 09:41

das bild von campo zeigt es sehr schön:

das paraffin lagert sich in den filtern an und bildet dort eine feste masse.

theoretisch wäre es möglich, diese masse durch erwärmung (50°c) zu verflüssigen. was wäre dann? dieser, dann flüssige paraffinpfropfen müsste per anlasser/dieselpumpe solange durch den motor getrieben werden, bis diesel nachkommt und der motor dann anspringt. der zähflüssige paraffinpfropfen wird der dieselpumpe etc. nicht gut tun. der nachgeförderte diesel ist auch kalt und mit paraffinpflocken versetzt, die sich (beim beenden der 50°-beheizung) wieder anlagern.

also nochmals: ich würde empfehlen, den sommerdiesel abzulassen. der eventuelle verlust von 120..150tacken steht in keinem guten verhältnis zum eventuellen schaden.

(und: wer sich für die vermeintlich russische variante der motorvorwärmung per offenen holzfeuer unter dem motor interessiert: im www gibt es genügend informationen über die recht komplexen vorwärmanlagen vom ural, kamaz, kraz ...)

lg
jörg

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Balu
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Re: Winterdiesel

#19 Beitrag von Balu » Do 15 Dez 2016 11:04

halber hat geschrieben:ehhhh ... "ikarus bus" ... nix russisch! die teile sind aus ungarn. insofern ist das ein märchen mit dem feuerchen unter einem ikarus
die russen-nummer "ja nicht abstellen" und im ernstfall "feuer drunter" betrifft die russischen autos wie ural, kras, uaz etc. das sind alles benziner. die hatten von hause aus "vorwärmanlagen" mit offener flamme verbaut ... und ja, manchmal sind verölte teile dabei auch abgefackelt ...
Jetzt muss ich den Thomas aber mal in Schutz nehmen, obwohl ich ja auch manchmal gerne auf Ungereimtheiten hinweise.
Der Thomas schrieb nämlich:
ThomasFF hat geschrieben:Die russischen Ikarus - Busfahrer, wenn die sonst immer Tag- und Nacht durchlaufenden Motoren mal ausgefallen sind, kriegen die mit einem Feuerchen darunter wieder ans laufen....bei gelegentlichen Spritundichtigkeiten wird einer zwar auch hin und wieder abgefackelt, aber etwas Verlust ist ja immer.... :lol: ...
Da steht kein Wort davon, dass die Busse in Russland gebaut wurden. Im Ostblock hat die Spezialisierung ganz gut funktioniert. Die Busse baute Ikarus in Ungarn, die Straßenbahnwaggons Tatra in der CSSR etc. In der DDR - und selbst im Westen konntest du LADAs kaufen. Warum soll es in Russland also keine Ikarus-Busfahrer geben?
Das mit dem Feuer unterm Auto habe ich sogar in einem zeitgenössischem Reiseblatt gelesen. Allerdings wurde da der Motorblock "befeuert", um das Öl flüssiger zu machen, damit die schlappen Batterien den Anlasser besser durchdrehen.

Gruß
Herby
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wiru
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Re: Winterdiesel

#20 Beitrag von wiru » Do 15 Dez 2016 11:45

Also nachdem ihr mir ja zunächst Trost gespendet habt und jetzt doch wieder furchtbare Schauergeschichten erzählt, mal eine persönliche Erfahrung (hatte schon 2x Probleme mit Diesel-Sulz, allerdings beim alten Wohnmobil):
- ich hatte ein Versulzungsproblem (allerdings mit Winterdiesel) in einem Bergtal bei deutlich unter -30 Grad (ich tippe mal auf -35 Grad in der Nacht, freier Stellplatz mit ordentlich Wind...). Nachdem der ADAC mich zur Werkstatt abgeschleppt hat und das Fahrzeug vor der Halle abgestellt hat, war leider erst mal Mittag bei den Jungs...ich bin im Dorf Essen gegangen, das Auto stand etwa 2h in der Sonne (Luft-Temperatur im Schatten unter Null). Nach der Mittagspause kam der Werkstattleiter und sagte: "Na, dann wollen wir mal sehen" und das Auto sprang sofort an (ob das jetzt von der Drohung des Werkstattleiters kam oder von der Temperatur in der Sonne? Müsst ihr entscheiden). Fazit: kein Filtertausch, keine dauerhafte Erhitzung auf über 50 Grad, keine Probleme (ich bin danach noch viele, viele Jahre mit dem Fahrzeug gefahren, ohne jegliche Probleme).
- mein zweites Versulzungsproblem war zuhause mit Sommerdiesel (geschätzt -15 bis -20 Grad). Da wurde das Fahrzeug dann in der Halle aufgewärmt und der Dieselfilter getauscht. Auch da keinerlei weiteren Folgeschäden.
Ach ja: mir ist schon klar, dass eine Island-Expedition im Winter ganz andere Vorbereitungen erfordert als eine Wochenendfahrt an den Weihnachtsfeiertagen in den deutschen Mittelgebirgen..Ich will ja nur ins Allgäu...und auch nur dahin, wo die Sonne scheint (siehe Fall 1...;-))
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halber
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Re: Winterdiesel

#21 Beitrag von halber » Do 15 Dez 2016 14:53

lieber balu, die sichtungshäufigkeit des dieselgetriebenen ikarus-busses in regionen, bei denen auf grund der ständige tiefen außentemperaturen die motoren "... immer tag und nacht durchlaufen ..." ist bei nahe null --- egal, ob der fahrer russe, ukrainer, moldave oder tschuktsche ist/war. will sage: kann schon sein, dass auf der krim ikarusbusse mit russischen fahrern unterwegs waren. DIE hatten aber kein versulzungsproblem ... :D

lieber wiru, bist du dir sicher, dass bei deinem fall 1 nicht der wasseranteil im diesel die hauptrolle gespielt hat? bei deinem fall 2 ist ja offenbar durchgeführt worden, was hier empfohlen wird: filterwechsel und kein durchleiern des verflüssigten paraffinpfropfens. ansonsten: gute, ausfallfreie fahrt!

ThomasFF
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Der ÖPNV in z.B. St. Petersburg....

#22 Beitrag von ThomasFF » Do 15 Dez 2016 21:36

...ist zu fast hundert Prozent mit Ikarusbussen aus Ungarn ausgestattet, insofern ist das dennoch ne russische Geschichte.

Wenn Du die eher scherzhafte Anekdoten mit dem Feuer unter dem Diesel ernst genommen hast, ist das dein Problem. Es ist aber zB aus dem 2. Weltkrieg überliefert, dass die Feuerlösung von den Landsern und auch später von Zivilisten öfter angewendet wurde, aber dabei ging es weniger um versulzten Diesel als um steifgefrorenes Motoröl. Auch in Skandinavien ist das immer noch bekannt.

Was die Beimischung von Benzin angeht, sollte man zwischen LKW-Motoren und PKW-Maschinen differenzieren. Die LKW_motoren vertragen da mehr, weil sie eher auf miese Dieselqualitäten eingestellt werden...zB wegen Fernverkehr in Länder mit nicht so gutem Standard wie in Mitteleuropa. Wie sich das allerdings mit den modernen Add - Blue - Motoren verträgt weiß ich nicht..ich bin seit ein paar Jahren aus den Informationskreisen, die mich auf dem laufenden gehalten haben, raus.

Moderne PKW Motoren, die auf Eu 6 ausgerichtet sind.....da habe ich meine Bedenken, ob die eine Beimischung von zB 30% ohne weiteres verkraften können.
Gruß vom Thomas
PS: Wo ein Trial Truck noch fährt, kann man schon nicht mehr laufen!

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halber
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Re: Winterdiesel

#23 Beitrag von halber » Fr 16 Dez 2016 10:07

- ein versulzes dieselsystem lässt sich mit feuer unter dem motorraum nicht "entsulzen"
- ein versulzes dieselsystem lässt mit "ich stelle das auto mal in die sonne" nicht entsulzen
- das durchrödeln eines halbfließfähigen paraffinpfropfens durch die einspritzanlage ist, vorsichtig ausgedrückt, unzweckmäßig
- der ikarus (200er-reihe) ist hauptsächlich ein diesel (MAN?) und spielt in regionen mit permafrost keine rolle (egal, welche nationalität der fahrer hat und egal wie sich historisch/aktuell die fahrzeugflotte des öpnv in petersburg zusammensetzt). er verfügt von hause aus über keine vorwärmanlage, die mit den systemen von kraz, kamaz, ural ... vergleichbar wäre.
- der hauptanteil der sowjetischen/russischen kfz sind benziner (ohne versulzungsproblem); für den einsatz in kalten gebieten hatten/habe diese fahrzeuge in der regel ein sehr komplexes vorwärmsystem für alle vorhandenen flüssigkeiten (öl, kühlwasser, spritsystem) bis hin zur vorwärmung der batterie. oft sind diese motoren (noch) mit der möglich versehen, sie per hand durchzudrehen. wenn möglich, werden im extremeinsatz diese fahrzeuge durch externe system warm gehalten
- getankter europäischer sommerdiesel sollte vor dem wintereinsatz des fahrzeuges ausgetauscht werden (in aller ruhe, zum zeitpunkt und am ort der wahl)


bevor das hier formen eines "trumpschen-twitter-gewitter" annimmt -> ich bin hiermit raus aus dem thema ;-)

ThomasFF
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Hm..... trumpsches Twitter Gewitter.....

#24 Beitrag von ThomasFF » Fr 16 Dez 2016 10:49

...der Ausdruck ist ein Zeichen dafür, dass ein Disput über ein und hier nicht oder kaum existierendes Problem zu was Weltanschaulichem hochstilisiert wird. Sei doch bitte nicht so empfindlich, zumal wir in der technischen Auffassung eng beieinander sind.

Ich hab zB nie behauptet, dass Feuer unter dem Motor versulzte Diesel ans Laufen bringen, mit Ausnahme des Scherzes in meinem ersten Posting, woraus man das hätte entnehmen können. Und dass im Permafrostbereich und in Gegenden mit tiefen winterlichen Temperaturen in Russland (z.B. Sibirien) nur Benziner fahren, ist ein auch mir bekannter Fakt, aber darum ging es hier nicht.

Nur, dass in Notfällen früher Feuer unter den Autos gemacht wurden, um sie nach einer Nacht bei minus 30 oder 40 ° wieder zum laufen zu bringen...ob mit oder ohne Erfolg, sei dahingestellt, und das betraf nicht speziell Dieselfahrzeuge... ist ebenfalls Fakt und so überliefert. Ein echt versulzter Diesel ist so nicht zu erwecken!

Für unsere Freunde hier, die mit ihren Diesel-Womos im Winter unterwegs sein wollen, ergibt sich, dass sie bei solchen Fahrzeugen mit rechtzeitig getanktem Winterdiesel, der bis min 22 Grad fließfähig bleiben sollte, in Westeuropa zurechtkommen würden, von einzelnen Nächten in hohen Lagen der Alpen vielleicht mal abgesehen... also Wettervorhersagen aufmerksam verfolgen - und notfalls unterstellen oder in tiefere Lagen ausweichen.

Für extreme Touren wie Nordkapp im Winter und ähnliches müsste man entweder besondere technische Vorkehrungen für den Diesel treffen, auf einen Benziner umsteigen (Mietmobil) oder es lassen... das betrifft aber nur sehr sehr wenige Leute.
Zuletzt geändert von ThomasFF am Fr 16 Dez 2016 10:57, insgesamt 2-mal geändert.
Gruß vom Thomas
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halber
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Re: Winterdiesel

#25 Beitrag von halber » Fr 16 Dez 2016 10:51

" ... bevor das hier formen eines "trumpschen-twitter-gewitter" annimmt -> ich bin hiermit raus aus dem thema ;-) ... " und nicht verärgert! :D

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nicht verärgert.....

#26 Beitrag von ThomasFF » Fr 16 Dez 2016 10:55

Gut... es hätte mich etwas traurig gemacht.....weil nicht beabsichtigt...
Gruß vom Thomas
PS: Wo ein Trial Truck noch fährt, kann man schon nicht mehr laufen!

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Pelzerli
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Re: Winterdiesel

#27 Beitrag von Pelzerli » Fr 16 Dez 2016 11:55

Wer Angst vor ausflockendem Diesel hat, kann sich ja ganz einfach einen beheizten Dieselfilter einbauen. :idea:
Viele Baumaschinen haben das - und auch viele Fahrzeuge in Russland. Den Motor lassen sie übrigens wegen dem Kühlwasser laufen. Denn die meisten älteren Nutzfahrzeuge in Russland haben Benzinmotoren...

Gruss Pelzer
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paul stettiner
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Re: Winterdiesel

#28 Beitrag von paul stettiner » Mi 21 Dez 2016 11:59

http://www.aral.de/de/retail/kraftstoff ... inter.html

Das sagt ARAL dazu (bin weder verwandt noch verschwägert) :D

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Re: Winterdiesel

#29 Beitrag von wiru » Mi 21 Dez 2016 21:41

Pelzer: mir gings nicht um vorausschauende Maßnahmen...da wüsste ich eine einfachere (Winterdiesel tanken)...mir gings um einen Rat, wie ich das in den Sommerdiesel-brunnen gefallene Kind wieder raus kriege...nachdem der Wetterbericht aber steigende Temperaturen gemeldet hat, entspanne ich mich grade...

Gruß, Willi
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Anton
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Re: Winterdiesel

#30 Beitrag von Anton » Do 22 Dez 2016 10:50

wiru hat geschrieben:...mir gings um einen Rat, wie ich das in den Sommerdiesel-brunnen gefallene Kind wieder raus kriege...

Hallo


Diesel ablassen, auffangen und für nächstes Frühjahr verwahren! Kein Ding, oder? 8)


Ach so, nicht vergessen nach der Aktion Winterdiesel zu tanken, sonst läuft er natürlich gar nicht mehr! :wink:


VG

Anton
Wir brauchen dringend ein paar Verrückte - seht euch doch mal um, wo uns die Vernüftigen hingebracht haben!

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