Vario 814 DA Standfahrzeug

Unten sind sie alle gleich: Fragen und Antworten zur Fahrzeugtechnik.
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conga7
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Vario 814 DA Standfahrzeug

#1 Beitrag von conga7 » Di 02 Jun 2015 21:46

Liebe Leute,

nachdem ich seit über zehn Jahren im Malibu-Forum herumspuke, hat sich ganz spontan eine neue Möglichkeit aufgetan; und ich bitte um Eure erfahrenen Meinungen.

Ich könnte ein Messfahrzeug erstehen (Vario 814, 4x4), mit Koffer. So wie ich es einschätze, wird das Fahrzeug prinzipiell unsere Anforderungen erfüllen; wir wollen keine extremen Wüstentouren unternehmen, aber "überall" hinkommen.

Gerne hätte ich aber Hinweise zum Zustand, bzw. was ich diesbezüglich unbedingt beachten muss. Denn das Fahrzeug steht seit mehrehen Jahren, wurde nicht bewegt. Nur der Motor wurde alle halbe Jahr mal gestartet. Der Vorteil ist natürlich ein niedriger Kilometerstand, mit knapp 20 Jahren Alter.

Was muss ich mir unbedingt auf der technischen Seite ansehen, damit ich nicht auf dei Nase falle?

Ob ich etwas mit dem Koffer anfangen kann, weiß ich nicht. Er ist durchlöchert von Kabeldurchlässen und diversen Klappen.

Vielen Dank für Euer Feedback

Conga

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VWBusman
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Re: Vario 814 DA Standfahrzeug

#2 Beitrag von VWBusman » Di 02 Jun 2015 22:16

Hallo,

quer durch alle meine Fahrzeuge die ich je gekauft habe hat sich gezeigt das ein Fahrzeug besser neuer mit vielen Kilometern als alt mit wenig Kilometern.
Bis jetzt hatte ich bei allen Fahrzeugen mit höherem Alter und wenig Kilometern erst mal mit Standschäden zu kämpfen. Waren diese dann beseitigt waren die Fahrzeuge
technisch fast komplett erneuert aber dafür auch wieder fit.
Aus heutiger Sicht würde ich aber in Zukunft eher einen drei Jahre altes Fahrzeug mit 200000Km kaufen als ein 20Jahre altes Fahrzeug mit 50000Km.

Gruß Christopher
VW T5 Doka und Mercedes Vario 816 mit Holzkoffer

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Anton
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Re: Vario 814 DA Standfahrzeug

#3 Beitrag von Anton » Mi 03 Jun 2015 10:26

VWBusman hat geschrieben:Aus heutiger Sicht würde ich aber in Zukunft eher einen drei Jahre altes Fahrzeug mit 200000Km kaufen als ein 20Jahre altes Fahrzeug mit 50000Km.
Hallo

@Christopher

Aha - dann hab ich ja glück gehabt das meine Anschaffung schon 100 000 in 24 Jahren gelaufen ist! :wink: :wink:

Nee, Spaß beiseite!
conga7 hat geschrieben:Was muss ich mir unbedingt auf der technischen Seite ansehen, damit ich nicht auf dei Nase falle?
Bei einem so zuverlässigem Fahrzeug wie dem Vario kannst du eigentlich nix falsch machen. Schau dich mal auf der Straße um wie viele davon auch nach Jahren noch rumfahren. Standschäden kann es geben, leider bemerkt man die meistens erst nach einigen 100 km Fahrstrecke. Typisch z.B. die Undichtigkeit der Wasserpumpe. Evtl müssen auch die Kühlerschläuche neu weil verhärtet. Eine Kompressionsprüfung schadet sicherlich auch nicht. Sind die Bremssättel freigängig? Wie sehen die Bremsschläuche aus. Wahrscheinlich müssen auch die Reifen neu. Nicht weil abgefahren, aber weil zu alt.

Eine Probefahrt ist gut, besser noch wenn man einen LKW Mechaniker dabei hat der sich mit so was auskennt!

Und - was kostet die Kiste? Auch das kann entscheidend sein. Ist er richtig günstig, kann auch etwas an Folgekosten für Standschäden in Kauf genommen werden. Wie viel Arbeit liegt an? Ist das Fahrgestell in gutem Zustand? Bin ich bereit einiges an Arbeit zu investieren oder möchte ich sofort damit rumfahren können?

Ein solches Fahrzeug ist auch einfacher zu Reparieren wie ein Neueres. Und Benz Teile gibt es alle noch, wenn auch nicht zu Schnäppchenpreisen. :wink:

Stellt sich auch die Frage, ob ein so ein alter LKW liegt? Er ist langsamer, schwerfälliger und lauter als ein neueres Fahrzeug. Bin ich bereit das in Kauf zu nehmen?

Wir lieben alte Autos und deshalb würd ich ehr ein altes Auto mit wenig KM kaufen als ein neues mit vielen.

Hab ich ja auch gemacht. Guckst Du hier: http://www.womobox.de/phpBB2/viewtopic. ... hilit=609d

Jetzt bauen wir einen neuen Koffer auf das "alte" Auto! 8)

Viele Grüße

Anton
Wir brauchen dringend ein paar Verrückte - seht euch doch mal um, wo uns die Vernüftigen hingebracht haben!

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dreamteam
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Re: Vario 814 DA Standfahrzeug

#4 Beitrag von dreamteam » Mi 03 Jun 2015 21:06

Sehr viel zum Vario kann ich dir nicht sagen, aber bei mir hat sich es bisher immer andersrum als beim Christopher gezeigt. Ich gehe nach dem Motto: alt und gut erhalten, und dafür lieber etwas mehr auf den Tisch legen. Oder: ich bin nicht so reich um billig kaufen zu können.

Ich denke bei dem Vario geht es noch um die alten Motoren OM364LA mit 3,9l und 136PS mit Turbo und Ladeluftkühlung. Als Allrad gönnt er sich so 15-17l/100km. Eigentlich ganz gute robuste Motoren wo 400tkm aufm Tacho noch nicht das nähernde Ende bedeuten.
Generell leiden die Varios an Rostbefall (wie auch sein Vorgänger der T2) und gelten für manch einen als Rappelkiste. Ich finde es sind tolle und zuverlässige Fahrzeuge.
Ein solcher mit 4250mm Radstand war lange auch mein Favorit. Diesen Radstand mit Allrad zu finden ist sehr rar- als Serie gabs den nicht. Zuletzt wurde es doch ein richtiger LKW.

Das ein LKW meinen Kriterien zum Kauf entspricht darf der Motor unten rum etwas lecken (Ölwanne). Das Gesamtbild des Motors muss einen guten geflegten Eindruck machen, genauso das Fahrgestell. Der Motor muss (ich bevorzuge dabei zu sein wenn der Motor nach längerer Standzeit das erste Mal angelassen wird) ohne lang zu werkeln anspringen ohne lang zu krächtzen, zu klappern etc. Ich gucke mir das ganze ziemlich lang an und lass dann mein Gefühl entscheiden.
Man sieht einfach wie man mit dem Ding umgegangen ist.
Türen, Schlösser, Fenster und sämtliche andere mechanische Teile müssen glatt funktionieren bzw.leichtgängig sein, sowie sämtliche Gummis am FZ dürfen nicht spröde sein.
Wenn schon Mos auf dem Auto wächst Finger weg. Das ist ein verlassenes Ding.
Erste Farbe ist für mich Grundvoraussetzung. Man weiss nie was sich hinter einer neuen Lackierung verbirgt. Lieber hier und da den Rostansatz sehen und dann selber in Stand setzen als eine augehübschte, eigentliche schrottreife, Laube zu erwerben. Es wird aber auch nur selten jemand viel Geld für eine wirklich professionelle und gänzliche Lackierung in eine Schrottlaube investieren um somit evtl mehr dafür zu verdienen.
Ob pfuschig oder billig lackiert wurde kann man sehen wenn man einen Blick unter die Frontscheibendichtung wirft.

Sehr gut ist sein Vergangenheit zu wissen. So wenig wie möglich Eigentümer.
Allerdings gibt es viele Händler die wissen was auf ein gepflegtes Gesamtbild wirkt und deshalb oberflächlich das FZ aufhübschen (um den wirklichen Zustand zu kaschieren). Da sollte manvorsichtig sein und nicht drauf reinfallen. Hier sind es meisst Fahrzeuge die im wirtschaftlichen Verkehr gedient haben. Diese sind generell für mich uninteressant weil von vorn bis hinten durchgelutscht, ausser in der bis 5 Jahre Klasse.

Man muss auf jeden Fall Probefahrt in allen Umgebungen machen können- von Stadt bis BAB, vom kalten bis gut heissen Motor. Da kann sich so einiges zeigen.
Nach oder besser mehrmals wärend der Probefahrt vorsichtig Bremsscheiben/Bremstrommeln anfühlen. Müssen pro Achse ungefähr gleich warm sein.

Neuen TÜV verlangen. Auch wenn dieser gerade eben neu gemacht ist. Am besten der Käufer sucht sich die Prüfstelle aus.
Bei mir heisst es: kriegt er "ohne Beanstandung" zahle ich, wenn nicht zahlst Du. Dies kann auch so einiges ans Tageslicht zwingen.
Natürlich kann man auch den Prüfer um seine Meinung bitten.

Man muss dann selber entscheiden und einschätzen ob man diesen und jenen Mangel in Kauf nimmt und ihn später selber behebt.
Wenn es im Vergleich zum Angebot auf dem Markt ein Schnäppchen ist (und es bestenfalls nirgends im www inseriert ist) hat man gute Karten. Auch wenn man dann so einiges reparieren muss.

Na nu?! Da hats mich jetzt ein bischen von der red line gezogen... Na ja, vlt. hilft es dir weiter, wenn nicht wirds evtl wem anderen dienen.
Auf jeden Fall kann man mit den alten Mercedes (vor '97) eher wenig falsch machen. Eine gute alte Basis bringt weniger Kopfschmerzen im nach hinein auf Reise.
LG,
Beni

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conga7
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Re: Vario 814 DA Standfahrzeug

#5 Beitrag von conga7 » So 07 Jun 2015 17:00

Vielen Dank für Eure ausführlichen Antworten.
Weitere Kommentare sind jederzeit erwünscht.

Ihr habt mir Mut gemacht, dass ich zumindest prinzipiell ein taugliches und zuverlässiges Fahrzeug vor mir habe.
Tatsächlich rechne ich damit, dass viele "Weichteile" erneuert werden müssen. Hoffe, dass die Bremstrommeln sich freischleifen, der Lack nach Entfernen des Mooses und Polieren wieder brauchbar aussieht, vor allem aber, dass die wenige Bewegung den beweglichen Teilen nicht geschadet hat...

Das konkret und vermutlich teuerste wird der Ersatz der die 6 (bis 7) überalterten Reifen sein.
Und wie es mit dem Koffer weitergeht, muss ich mir dann noch überlegen.
Falls der Preis zu diesen Ausgaben passt und klappt, möchte ich das Fahrzeug erstmal ein bisschen bewegen und ein paar Kilometer kreisen um mich überraschen zu lassen, was in Ordnung ist und was sich an Mängeln zeigt.
Dann wird das Fahrzeug Stück für Stück auf Vordermann gebracht und dann wird auf den Kofferausbau gespart.

Grüßle
Conga

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Re: Vario 814 DA Standfahrzeug

#6 Beitrag von conga7 » So 07 Jun 2015 21:40

Hallo nochmal an alle,
besonders an Christopher.

Ich möchte nun doch nochmal konkret wegen Standschäden nachfragen. Was habt Ihr schon erlebt; Christopher, welche Erfahrungen hast Du gesammelt?

Mir fällt spontan ein:
alle Weichteile,
Reifen,
Batterie,
Dichtungen (welche?)

Was ist mit Dichtungen an den Achsen, Federn, Stoßdämpfer?

Kann der Motor leiden?
Turbolader?

Was noch?

Vielen Dank
Conga

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Re: Vario 814 DA Standfahrzeug

#7 Beitrag von holger4x4 » So 07 Jun 2015 22:17

Die Weichteile sind ja relativ offensichtlich...
Viel wichtiger ist, wie es im Motor aussieht. Rost an den Zylinderwänden kann viel größere Schäden verursachen.
Der Beste Weg ist das Fahrzeug NICHT auf eigener Achse über 100'te km nach Hause zu holen, sondern besser auf einem Hänger in die Werksatt und erst mal alles inspzieren.
Gruß, Holger

Bilder meiner alten Kabine hier, und die aktuellen Kabine --> hier
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Re: Vario 814 DA Standfahrzeug

#8 Beitrag von dreamteam » So 07 Jun 2015 22:51

Rost auf den Zylinderwänden bei einem Diesel scheint mir fast unwahrscheinlich, aber durchaus möglich. Vor allem wenn die Zylinderkopf Dichtung im Eimer ist und Kühlwasser (sehr agressiv!) in den Brennraum gekommen ist. In dem Fall ist aber der ZK auch schon nicht mehr plan.
Das kann man am Wasser im Motoröl, oft als Sahne am Öldeckel, erkennen. Auch wird so ein Fahrzeug eher nicht sofort anspringen sondern will gewerkelt werden (wegen Wasser im Brennraum). Kühlwasserstand ermitteln! Weiteres Zeichen für ne undichte ZK Dichtung (und die damit verbundenen Schäden) ist bemerklich weisser Abgasrauch, der auch bei warmen Motor nicht verschwindet.
Aber hier sind wir schon fast nicht mehr nur bei Standschäden. Das FZ hätte dann schon zuvor einen Schaden welcher wegen Nichtbenutzung und weil Schaden nicht behoben noch grösser geworden ist.

Und wenn ich schon grade den Abgasrauch, und Holger den Innenraum des Motors erwähnte......wenn er blau raucht frisst er Öl. Heisst Kolbenringe o. noch mehr Kaputt. Wenn Diesel raucht darf er schwarz rauchen.
Und merkwürdig klappern darf er halt auch nicht. Er muss schön dieselig tukkern.

Gern nimmt die Wasserpumpe schaden. Temperatur beobachten und bei betriebswarmen Motor den grossen Kühlkreislauf nach warmen (bzw. kalten wenn WP nicht funktioniert!) Rohren checken. Auch kannst du mit grösster Vorsicht (weil Druck) den Kühlerdeckel öffnen und wieder vorsichtig mit dem Finger die Wärme der Kühlflüssigkeit ermitteln. Für diese Ermittlung übernehme ich keine Verantwortung! Eltern haften für Ihre Kinder! :mrgreen:
LG,
Beni

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Anton
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Re: Vario 814 DA Standfahrzeug

#9 Beitrag von Anton » Mo 08 Jun 2015 13:43

conga7 hat geschrieben:Ich möchte nun doch nochmal konkret wegen Standschäden nachfragen. Was habt Ihr schon erlebt;
Was ist mit Dichtungen an den Achsen, Federn, Stoßdämpfer?

Kann der Motor leiden?
Turbolader?

Was noch?
Hallo

Erlebte Standschäden:

Undichte WP
Bremsschläuche zu
RBZ fest
Handbremsmechanismus fest
Dieselschläuche durchlässig
Kühlerschläuche porös
Scheibendichtungen verhärtet
Fett in Schmiernippeln und abzuschmierenden Stellen verhärtet
Scheibenwischer hinüber
Reifen zu alt
Anlasser fest
Kupplungsbetätigungswelle fest, da wo das Pedal gelagert ist
Auspuff durch
Frontscheiben blind
Batterien
alle Filter neu gemacht, weil's besser ist

Das war's auf die Schnelle.

Fahrzeug: Hanomag AL 28, BJ: 1965, 8 Jahre gestanden.1 1/2 Jahre restauriert, dann in 7 Jahren ca. 45000 KM gefahren mit immer wieder kleineren Reparaturen.

Einzig größere Reparaturen: Einspritzpumpe überholen lassen und Hydrair instandgesetzt.

Ansonsten lahm, aber zuverlässig! :D

Natürlich kann der Motor leiden. Lässt er sich von Hand durchdrehen? Läuft das Schaufelrad vom Turbo frei? Vorm Starten evtl. mal mit einem Stetoskop in die Brennräume gucken. Oder mutig anlassen und gucken was passiert. Und was auch Beni schon schreib, wie sieht das Kühlwasser aus. Frostschäden wird er ja wohl keine haben.

Nicht so bange sein, immer mutig ran! Damit fahr ich gut, seit über 35 Jahren. 8)

Neu oder alt? Das es ist auch eine Glaubensfrage.................

Was sagt denn der Vorbesitzer? Warum steht der schon so lange dumm rum? Es ist doch wohl nicht irgend wo ein kapitaler Schaden weshalb er damals stellgelegt wurde.

Wenn Du den Benz vor kaufen starten und Probefahren darfst, ist es OK. Wenn nicht, lass die Finger davon!

Ansonsten: alle Angaben ohne Gewähr! Die Entscheidung liegt am Schluss bei dir, Conga



Viele Grüße

Anton
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